SCHILDOW - Sie sind noch immer spurlos verschwunden: die erst 14-jährige Josephine P. aus Schildow (Oberhavel) und ihr 47 Jahre alter Onkel Gerrit H. aus Berlin. Am vergangenen Freitag hatten die Eltern die Gymnasiastin als vermisst gemeldet. Der Vater hat Anzeige erstattet. Sein Verdacht: Die Jugendliche soll angeblich eine Liebesbeziehung zu ihrem Onkel haben und mit ihm durchgebrannt sein. Gegen den Berliner Architekt wird wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs eines Kindes ermittelt.

Inzwischen fahndet die Polizei europaweit nach dem Mädchen. „Es gibt Hinweise aus dem Umfeld des Mädchens, dass sie möglicherweise inzwischen nicht mehr in Deutschland ist“, sagte Polizeisprecher Toralf Reinhardt. Deshalb wird nun im Schengen-Raum nach ihr gesucht. Die Staatsanwaltschaft Neuruppin ermittelt nun gegen den Onkel wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs eines Kindes.

Die Eltern vermuten, ihre Tochter könnte mit dem Onkel in Spanien sein. „Die Familie vermutet dies, weil sie entsprechende Dinge eingepackt hat, unter anderem Sonnenmilch“, sagte Polizeisprecherin Dörte Röhrs am Dienstag.

Hinweise aus mehreren Bundesländern

Auch aus anderen Bundesländern gingen bereits Hinweise bei der Polizei ein – es sind bislang weniger als zehn –, aber eine verwertbar Spur ist nicht dabei. Als sicher gilt, dass die beiden in einem blauen VW-Transporter unterwegs sind sowie mit einem Wohnwagen, den sich der 47-Jährige von einem Bekannten ausgeliehen hat. Die Polizei sucht mit einem Foto und dem Namen des Mädchens im Rahmen einer Öffentlichkeitsfahndung nach dem Mädchen.

Anfangs wurde auch wegen des Verdachts der „Entziehung einer Minderjährigen“ gegen Gerrit H. ermittelt. Voraussetzung dafür wäre aber, dass der Mann die Tochter seiner Schwester durch List, Täuschung oder Gewalt dazu brachte, mit ihm abzuhauen. „Doch das ist nach bisherigen Erkenntnissen nicht der Fall“, sagte Jürgen Schiermeyer, Sprecher der Staatsanwaltschaft Neuruppin. Es werde derzeit davon ausgegangen, dass das Mädchen freiwillig mit dem Mann auf der Flucht ist. Wäre sie jünger als 14 Jahre, wäre keine Gewalt oder List nötig, damit die gemeinsame Flucht der beiden als Straftat der Einziehung gilt.

Verdacht des sexuellen Missbrauchs

Strafrechtlich wird gegen Gerrit H. derzeit wegen Verdachts des sexuellen Missbrauchs eines Kindes ermittelt. Dafür gibt es zwar mehrere Zeugenaussagen, aber keine Beweise, da niemand die sexuellen Kontakte gesehen hat. Es handelt sich bislang nur um „Hörensagen“.

Oberstaatsanwalt Schiermeyer drückt es derzeit noch sehr vage aus: „Wir gehen nach bisherigem Erkenntnisstand davon aus, dass es möglicherweise sexuelle Kontakte gegeben haben könnte.“ Entscheidend dabei ist, dass die Beziehung bereits bestanden haben soll, bevor Josephine 14 Jahre alt wurde. Angeblich war sie erst zwölf Jahre alt, als ihr verheirateter Onkel mit ihr ein Verhältnis einging.

Sex ist strafrechtlich verboten bei Verwandten ersten Grades, also mit den eigenen Kindern, Enkeln oder Geschwistern. So steht es im Strafgesetzbuch Paragraph 173 „Beischlaf zwischen Verwandten“. Geldstrafen oder Haft bis zu drei Jahre können vom Gericht verhängt werden.

Laut Statistischem Bundesamt gibt es bundesweit jedes Jahr etwa acht bis zwölf Verurteilungen wegen Inszest. Angehörige zweiten Grades – wie in diesem Fall Onkel und Nichte – könnten miteinander Sex haben oder auch heiraten, ohne dass dies strafrechtliche Konsequenzen nach sich zöge. Wenn denn das Mädchen nicht minderjährig wäre.

Schwarzer Manel, roter Schal, schwarze Stiefeletten, Jeans

Josephine P.trug am Freitag, dem Tag ihres Verschwindens, einen schwarzen Kurzmantel, einen roten Loopschal, schwarze Stiefeletten und eine Jeans. Sie hatte auch eine blaue Umschlagtasche dabei mit englischer Flagge darauf sowie eine große Tasche voller Kleidung mit der Aufschrift „Edeka“.

Der VW Transporter ist eine blauen T 5 Caravelle, Kennzeichen B-AH 1344, der Wohnwagen Marke Hobby hat das Kennzeichen B-SE 5429. Die Polizeiinspektion Oberhavel nimmt Hinweise zum Aufenthaltsort des Mädchens entgegen unter Telefonnummer 03301/8510.