Berlin - Die Angebotsmieten für freie Bestandswohnungen in Berlin sind nach dem Mietendeckel-Urteil des Bundesverfassungsgerichts um rund zwei Prozent gestiegen. Das geht aus dem Mietkompass des Onlineportals Immowelt hervor, der am Mittwoch veröffentlicht wurde. Die Angebotsmieten in Berlin zogen danach von 9,06 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche im ersten Quartal auf 9,26 Euro je Quadratmeter im zweiten Quartal dieses Jahres an. Eine 100 Quadratmeter große Wohnung hat sich damit im Schnitt von 906 Euro kalt auf 926 Euro kalt verteuert.

Eingeflossen in die Untersuchung sind Angebote für freie Wohnungen, die bei Immowelt inseriert wurden. Zu welchen Preisen die Wohnungen am Ende tatsächlich vermietet wurden, geht aus der Studie aber nicht hervor. Unter Bestandswohnungen versteht Immowelt Wohnungen, deren Baujahr mehr als vier Jahre zurückliegt. Die anderen Wohnungen gelten als Neubauten.

Experten rechnen mit Nachholeffekten

Mit dem Mietendeckel waren die Angebotsmieten in Berlin zunächst gesunken. Das Bundesverfassungsgericht erklärte den Mietendeckel mit Beschluss vom 25. März, der am 15. April veröffentlicht wurde, jedoch für nichtig. „Der bisher beobachtete Preisanstieg in Berlin ist noch vergleichsweise moderat ausgefallen – bedenkt man, dass es in den vergangenen anderthalb Jahren keine Preissprünge mehr gab“, sagt Jan-Carl Mehles von Immowelt. „Wir gehen dennoch davon aus, dass es in den kommenden Monaten zu weiteren Nachholeffekten kommt und die Mieten deutlich steigen werden.“

Immowelt prognostiziert aktuell eine Steigerung von weiteren rund sechs Prozent bei den Angebotsmieten für Bestandswohnungen. Am Jahresende würden die Mieten in der Hauptstadt damit wahrscheinlich auf 9,85 Euro je Quadratmeter klettern. Es seien aber auch noch stärkere Nachholeffekte denkbar. Sollte eine solche verstärkte Nachholdynamik einsetzen, könnten die Angebotsmieten für Bestandswohnungen bis Ende des Jahres auch auf 10,10 Euro je Quadratmeter steigen. Dies würde einer Steigerung der Angebotspreise um rund neun Prozent entsprechen.

Nicht überall in den deutschen Großstädten steigen die Mieten wie jetzt in Berlin. In acht von 14 untersuchten Großstädten stagnieren oder sinken die Angebotsmieten leicht, nur in sechs ziehen sie an. Besonders in teuren Großstädten wie München, Frankfurt am Main oder Stuttgart haben sich die Preise vorerst nicht weiter verteuert. So wie in Berlin stiegen die Angebotsmieten in Köln aber vom ersten zum zweiten Quartal um rund zwei Prozent an. Das Preisniveau in der Stadt am Rhein ist allerdings höher. Dort werden die Bestandswohnungen aktuell für 10,51 Euro je Quadratmeter angeboten. Auch in Hamburg steigen die Mieten für freie Wohnungen – allerdings nur um ein Prozent auf nunmehr 10,91 Euro je Quadratmeter.

Hohe Gehälter sind in München und Frankfurt am Main nötig

In den teuersten Großstädten können Mieter laut Immowelt hingegen etwas durchatmen. In München stagnieren die Mieten auf einem sehr hohem Niveau von 16,54 Euro je Quadratmeter. Bestandswohnungen an der Isar kosten damit fast fünf Euro mehr als in Frankfurt am Main, wo die Mieten für freie Wohnungen vom ersten zum zweiten Quartal um zwei Prozent gesunken sind: von 11,95 Euro auf 11,66 Euro je Quadratmeter.

Nur in Hannover sanken die Mieten im gleichen Zeitraum ebenfalls um zwei Prozent. Um jeweils ein Prozent bröckelten die Mieten in Stuttgart und Düsseldorf. Generell scheint in den teuersten Städten laut Immowelt inzwischen eine Preisgrenze erreicht zu sein. Viele Haushalte seien durch die Wohnkosten bereits stark belastet. So zeige eine Analyse, dass Mieter in München knapp 6000 Euro im Monat verdienen müssten, um auf eine als erträglich geltende Wohnkostenquote von 30 Prozent zu kommen. In Frankfurt würden dafür 4500 Euro benötigt, in Stuttgart 4200 Euro.