Für das Angeln in der Hauptstadt gelten immer noch andere Regeln als in Brandenburg.
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BerlinGanz allein ein paar Plötze, Bleie oder Rotfedern angeln: In Berlin dürfen Kinder das erst ab zwölf Jahren, in Brandenburg bereits ab acht. Künftig könnte es aber auch für den Anglernachwuchs in der Hauptstadt anders aussehen. „Derzeit wird darüber abgestimmt, inwiefern die Berliner Regelung an die brandenburgische angepasst werden kann“, sagte Derk Ehlert, Referent in der Berliner Umweltverwaltung. Eine Änderung des Fischereischeingesetzes sei für 2021/2022 vorgesehen. Der Deutsche Tierschutzbund lehnt das frühe eigenständige Angeln dagegen ab.

Bereits 1999 hatte der damalige Berliner Senat eine Angleichung an die Vorschriften in Brandenburg angekündigt. Doch dabei blieb es. Berliner Angler fordern seit Langem eine Lockerung: „Wir kämpfen seit zig Jahren dafür, dass Kinder früher selbstständig angeln dürfen“, sagte der Geschäftsführer des Landesanglerverbands im Deutschen Anglerverband DAV, Mario Distelkam. Mit etwa acht Jahren seien Kinder in der Lage, zu verstehen, wie ein Fisch tierschutzgerecht behandelt werde. Der Deutsche Tierschutzbund sieht das anders: Kinder bereits ab acht Jahren allein angeln zu lassen, berge extreme Tierschutzprobleme, betonte der Leiter des Referats für Natur- und Artenschutz, James Brückner. „Oft ist Kindern und Jugendlichen nicht bewusst, dass sie Fischen durch unsachgemäßen Umgang Leiden zufügen“, erklärte er. Brückner zufolge sollte es ausnahmslos Jugendlichen mit vorangegangener Schulung und Prüfung erlaubt sein, zu angeln.

Laut dem Fischereiwissenschaftler Robert Arlinghaus ist der frühe Einstieg wichtig, um das Interesse zu wecken. „70 Prozent der Angler beginnen mit ihrem Hobby vor dem 15. Lebensjahr, ein Drittel vor dem 9. Lebensjahr. Das Durchschnittsalter liegt bei etwa zwölf Jahren“, so der Professor, der an der Humboldt-Universität Berlin und dem Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei tätig ist.

In Berlin dürfen Kinder unter zwölf Jahren nur in Begleitung eines Fischereischeininhabers angeln. Ab zwölf Jahren brauchen sie einen Jugendfischerschein. In Brandenburg benötigen Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre diesen nicht. Auch Erwachsene, die nur Friedfische – die keine anderen Fische jagen – angeln wollen, brauchen ihn nicht. „Viele Berliner Kinder üben ihr Hobby deshalb in Brandenburg aus“, erwähnt Distelkam. Für die Vereine in der Hauptstadt sei das bedauerlich, weil der Nachwuchs meist auch in Brandenburg bleibe.

In Berlin sind junge Angler eine Minderheit: 2018 wurden laut Ehlert zwar insgesamt fast 500 Jugendfischereischeine vergeben, aber nur knapp die Hälfte war durch die entrichtete Fischereiabgabe auch gültig. Allerdings verfügen Petrijünger in Berlin auch über deutlich weniger Angelfläche: 240 Hektar stehen ihnen zur Verfügung. In Brandenburg können Angler 16.000 Hektar Verbandsgewässer nutzen. Hinzu kommen weitere 16.000 Hektar, die der dortige Anglerverband in Kooperation mit Erwerbsfischern bewirtschaftet. „Es ist also genug Platz da“, sagt Hauptgeschäftsführer Andreas Koppetzki. Rund 84.600 Mitglieder aus Berlin und Brandenburg sind demnach im Verband organisiert. Die Berliner Verbandskollegen haben etwa 8500 Mitglieder.