Berlin - Der Döner war immer die Lösung, nie das Problem. Ein zuverlässiger Allesretter und Dienstleister: nahrhaft, handlich, preiswert. Lange Zeit galt in Berlin der Einheitspreis von 3,50 Euro für die prallvolle Brottasche mit ihrer beinahe gesunden Mischung aus knackigem Salat und fettem Fleisch. Und den herrlich satten, öligen Soßen. Der Döner empfahl sich als Sattmacher und Wegbegleiter, verpackt in knisternde Alufolie verschwand er stubenrein in der Jackentasche. Sein Verzehr erforderte allerdings etwas Geschick – Döner-Kompetenz – oder wurde zur eher unappetitlichen Kleckerei. Kurzum, der türkische Imbiss ist bis heute ein leidlich eleganter, nahezu perfekter Mix aus Finger- und Fastfood.

Mit der Schließung von Dönerimbissen ist zu rechnen

Nun ist das Stück robuster Straßenkulinarik in großer Gefahr: Es soll deutlich teurer werden. Schon in den letzten Jahren zogen die Preise an, fünf Euro waren keine Seltenheit mehr. Die Steigerung hat mit dem generellen Trend zu tun. Nach den Daten des Statistischen Bundesamts im März sind Speisen und Getränke zum Mitnehmen rund sechs Prozent teurer als noch vor einem Jahr. „Ein Döner müsste eigentlich 7,30 Euro kosten“, rechnet dann auch Gürsel Ülber vor, er ist Vorstandsvorsitzender des Vereins türkischer Dönerhersteller in Europa. Der ATDiD e. V., gegründet am 26. Oktober 1996 in Berlin, verfolgt die Mission der „Imagepflege für das berühmte türkische Nationalgericht“.

Image und Pflege, damit könnte es vorbei sein: Strom, Erdgas, Rindfleisch, Pflanzenöl werden rasant teurer. „Seit etwa sechs Monaten ist die Lage sehr schwierig“, bestätigt Ülber. Man müsse mit der Schließung von Dönerimbissen rechnen. Für die übrigen Geschäfte stiegen dann im Herbst die Kosten weiter – wegen der Erhöhung des Mindestlohns auf zwölf Euro pro Stunde. Kurzum, das Döner-Business gerät in ein Dilemma: Einerseits können zumindest in den Ballungszentren wie Berlin die höheren Preise wegen der großen Konkurrenz nicht vollständig weitergegeben werden, andererseits führt die fehlende Kostendeckung in die Verlustzone. Der Döner wird, sollte er überleben, zum Luxusartikel.