Neukölln - Am Mittwochmorgen ist ein Polizist von einem Autofahrer angefahren worden, der sich einer Kontrolle entziehen wollte. Der verletzte Polizist soll dann einen Schuss aus seiner Dienstwaffe abgefeuert haben. Bei dem Fahrer, nach dem die Polizei jetzt fahndet, handelt es sich nach Informationen der Berliner Zeitung um Omar F., 22 Jahre alt und Mitglied eines libanesischen Clans. Die Identität des Beifahrers ist unbekannt.

Der erneute Angriff auf einen Polizisten sorgte in der Behörde für Betroffenheit. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) forderte am Mittwoch, dass polizeibekannte Straftäter härter bestraft werden müssen. Nur so könnten derartige Vorfälle in Zukunft eingedämmt werden. „Berlins verantwortliche Politiker müssen langsam auch erkennen, dass es sich bei den Tätern häufig um Kriminelle handelt, die bereits mehrfach mit dem Gesetz gebrochen haben, aber immer noch auf der Straße herumlaufen und nicht selten zu noch schwereren Verbrechen bereit sind“, erklärte der GdP-Landesvorsitzende Norbert Cioma.

Tat-Fahrzeug gehört kriminellem Clan

Der wegen Körperverletzung, Raub und Fahrens ohne Führerschein polizeibekannte Omar F. war der Besatzung eines Streifenwagens aufgefallen, weil er gegen 8.50 Uhr in einem weißen Mercedes AMG saß, der am Hermannplatz, Ecke Kottbusser Damm in der zweiten Reihe parkte. Hinzu kam, dass die Beamten davon ausgingen, dass der 22-Jährige keinen Führerschein besitzt.

In dem Fahrzeug, das nach Informationen dieser Zeitung dem Mitglied einer kriminellen Großfamilie gehört, saß darüber hinaus noch ein zweiter Insasse. Bisher sei unklar, um wen es sich dabei handelt. Der weiße Mercedes ist auf den Neuköllner Mohamed El-N. angemeldet. Als sie den Wagen und die Insassen jedoch kontrollieren wollten, eskalierte die Situation. 

6759 Angriffe auf Berliner Polizisten

Als sich ein 31-jähriger Polizeiobermeister dem Wagen näherte, soll Omar F. losgefahren sein. Dabei kam es offenbar zur Kollision mit dem Polizeiobermeister, der Verletzungen an der Hand und Prellungen erlitten haben soll, die ambulant behandelt werden mussten, so Polizeisprecher Michael Gassen. In dieser Gemengelage soll der 31-jährige Beamte seine Dienstwaffe gezogen und einen Schuss auf den Wagen abgefeuert haben. Ob sich der Schuss nur löste oder gezielt abgefeuert wurde, teilte die Polizei nicht mit. 

Ein Großaufgebot der Polizei hatte den Tatort am Hermannplatz großräumig abgesperrt. Eine Einsatzhundertschaft suchte nach dem Projektil und befragte Zeugen. Die Kriminaltechnik sicherte Beweismittel. Die Unfallaufnahme und Spurensicherung waren nach nicht einmal drei Stunden beendet. Bis zum Abend waren weder der Fahrer noch der Beifahrer gefasst. Auch vom Mercedes fehlt bisher jede Spur. 

Im vergangenen Jahr gab es 6759 Angriffe auf Berlins Polizisten. Das sind rund 500 mehr als im Jahr zuvor. Für 2018 ist mit einer ähnlich hohen Zahl zu rechnen, so die GdP.