Angst vor afrikanischer Schweinepest: Kommentar zum Lidl-Import polnischer Wurst

Sicherheit ist eine Frage der Perspektive, jedenfalls wenn sie die Afrikanische Schweinepest (ASP) betrifft. Konkret geht es um eine Wurst aus Polen, die der Discounter Lidl unter der Bezeichnung Kuljanka vertreibt. Die Kernfrage lautet: Könnte die polnischen Rohwurst ASP-Erreger enthalten, die dann auf deutsche Schweinebestände übergreifen?

Fest steht: Der für Menschen ungefährlichen Seuche haben Schweine nichts entgegenzusetzen. Ein Impfstoff fehlt. Seit Jahren breitet sich ASP in Osteuropa aus und kommt dabei der deutschen Grenze immer näher. In Polen wurden seit Jahreswechsel fast 1000 neue Fälle registriert, im gesamten Jahr 2015 waren es erst 1600.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium warnte schon im Spätsommer 2017 eindringlich vor einem Übergreifen des Erregers auf Deutschland. Fernfahrer, Urlauber und Saisonarbeiter wurden per Handzettel ermahnt, keine Essensreste aus Osteuropa auf deutschen Rastplätzen zu entsorgen. Andernfalls könnten Wildschweine sich am weg geworfenen Salamibrot gütlich tun und so mit dem Erreger infizieren. Der Deutsche Bauernverband forderte daraufhin, 70 Prozent des deutschen Wildschweinbestandes abzuschießen. Sollte das Virus den Weg in deutsche Ställe finden, seien die Folgen für hiesige Mastbetriebe katastrophal. 

Eine klare Antwort muss her

Auf der anderen Seite warnt die Fleischindustrie vor Panikmache und verweist darauf, dass kein Schweinefleisch aus den ausgewiesenen Risikogebieten importiert werde. Diese Gebiete seien nach EU-Recht so ausgestaltet, dass eine Verbreitung der Seuche über osteuropäische Hausschweine, die amtlich für genusstauglich erklärt wurden, ausgeschlossen werden könne. Auch das Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit befindet, Lebensmitteleinfuhren aus nicht betroffenen Regionen stellten kein Problem dar.

Ist die Lidl-Wurst also unbedenklich, da sie nach Unternehmensangaben ausschließlich aus streng kontrollierten Beständen stammt? Geht von der ollen Leberwurststulle auf Autobahnparkplätzen ein alarmierendes Risiko aus, von zig Tonnen polnischer Kuljanka aber nicht? Das Bundeslandwirtschaftsministerium muss eine klare Antwort liefern, sollen seine eigenen Warnungen glaubhaft bleiben.