Berlin - Es bleibt dabei: Im Bus bitte hinten einsteigen! Obwohl die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) mit hohem Aufwand die meisten Busse mit Glasscheiben ausgestattet haben, die das Fahrpersonal vor Corona schützen sollen, ist der seit fast einem Jahr geschlossene Vordereinstieg für Fahrgäste weiterhin tabu. Das sagte Petra Nelken, Sprecherin des Landesunternehmens, der Berliner. Wann im Bus wieder vorn eingestiegen werden darf, sei ungewiss. Vielleicht werde es im „späten Frühling“ so weit sein, so Nelken. In BVG-Kreisen hieß es, dass die vorderen Türen erst dann wieder aufgehen, wenn Tickets im Bus bargeldlos gekauft werden können. Klar ist: Manche Busfahrer sind skeptisch, ob die Scheiben sie tatsächlich vor einer Ansteckung bewahren. „Einige Kollegen fühlen sich unwohl“, sagte Jeremy Arndt von der Gewerkschaft Verdi.

Als im vergangenen Jahr die Corona-Infektionszahlen stiegen, reagierte die BVG schnell. Seit Mitte März 2020 dürfen Fahrgäste im Bus nur noch hinten einsteigen. Die Fahrerbereiche wurden erst mit Flatterband, dann mit Folien abgetrennt.

Doch manche Busfahrer fühlen sich eingesperrt. Zudem gehen der BVG Einnahmen verloren, weil im Bus keine Fahrscheine mehr verkauft werden. Deshalb begann sie im Sommer 2020 damit, die Fahrerbereiche mit zusätzlichen, TÜV-geprüften Scheiben aus Sicherheitsglas auszustatten. Kosten: mehr als zwei Millionen Euro. Auf den ersten fünf Linien durften die Busse ihre vordere Tür wieder für die Fahrgäste öffnen. Weitere Routen sollten folgen. Doch Mitte Januar machte die BVG eine Rolle rückwärts. Ein Brandbrief von Personalvertretern trug dazu bei. Seitdem gilt ausnahmslos auf allen Buslinien: hinten einsteigen! „Bis auf weiteres“, bestätigte Verdi-Sekretär Arndt. 

„Masken gelten als Vermummung“

Offizielle Begründung ist derzeit: Auf Wunsch des Senats soll die BVG bis zu 150 weitere Busse einsetzen. Die Kapazität wird vom 15. Februar an schrittweise erhöht, damit die Fahrgäste Abstand halten können. „Doch die zusätzlichen Busse haben keine Glasscheiben im Fahrerbereich“, erklärte BVG-Sprecherin Nelken. Zum Teil bleiben ältere Busse, die vor der Ausmusterung standen, länger in Betrieb. Zum anderen sollen Fahrzeuge angemietet werden. 

Das werde dazu führen, dass es auf manchen Linien einen Mischbetrieb geben wird. Dort fahren nicht nur Busse mit Schutzscheiben, bei denen ein Vordereinstieg möglich wäre, sondern auch andere Fahrzeuge. Für Blinde und Sehbehinderte kann das problematisch sein, so Nelken. Die Fahrgäste müssten sich darauf verlassen können, wo der Einstieg ist.

Das ist aber nicht der einzige Grund. „Fahrer befürchten, dass sie sich trotz der Glasscheiben mit Corona infizieren“, berichtete Jeremy Arndt von Verdi. „Sie haben ein mulmiges Gefühl.“ Verschärft werde die Lage dadurch, dass Kraftfahrer am Steuer keine Mund-Nase-Bedeckung tragen dürfen. „Masken gelten als Vermummung“, erklärte er.  Laut Experten ist ein wichtiges Argument, dass sie die Identifizierung des Fahrers erschweren, wenn ein Fahrzeug geblitzt wird. „Wir begrüßen es, dass angesichts der Infektionslage der Vordereinstieg in den Bussen der BVG geschlossen bleibt“, so Arndt.

Die Scheibe umschließe den Fahrer-Arbeitsplatz nicht komplett, betonte die Gewerkschaft Kommunaler Landesdienst Berlin. „Die Aerosole können sich ungehindert ausbreiten.“ Zudem ließen sich 1,50 Meter Mindestabstand nicht gewährleisten. 

Bargeldloser Ticketkauf künftig auch in Bussen möglich

Einzelne Fahrer würden sich trotz der Glasscheiben unwohl, sagte Petra Nelken. Auf einen Konflikt wolle es das Unternehmen nicht ankommen lassen. „Schließlich sorgen unsere Mitarbeiter jeden Tag dafür, dass die BVG auch in der Coronakrise funktioniert.“

Ein Personalvertreter der BVG sagte dagegen, dass sich die Bedenken inzwischen wieder gelegt hätten. Der übergroße Teil des Fahrpersonals fühle sich hinter den Scheiben sicher. Wichtiger sei, dass Fahrscheine im Bus mit Karte bezahlt werden können. Dann bliebe den Fahrern der Kontakt mit Bargeld erspart. Die nötige Technik sei erfolgreich erprobt worden, ein Einsatz in allen Bussen in den kommenden Monaten möglich.