Ein Bild aus besseren Tagen. Zurzeit nehmen nur wenige Patienten auf Zahnarztstühlen Platz.
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BerlinDie Angst vor Corona ist in Berlin offenbar stärker als Zahnschmerzen: Die Zahl der Patienten ist in den etwa 2300 Zahnarzt-Praxen der Stadt im März um 80 bis 90 Prozent zurückgegangen. Im April sieht es nicht anders aus. Mindestens 120 Praxen haben aufgrund fehlender Schutzausrüstung einstweilen geschlossen, jede zweite ist auf Kurzarbeit. „Der Rückgang ist ein flächendeckendes Phänomen“, sagt Michael Dreyer, Vizepräsident der Zahnärztekammer Berlin, die knapp 6000 Mediziner vertritt.

Auch Dreyers eigene Praxis am Theodor-Heuss-Platz ist betroffen. „Von den drei Mitarbeiterinnen ist eine vollständig zu Hause, zwei kommen statt 30 Stunden nur noch acht Stunden in der Woche, ich habe einen Antrag auf Kurzarbeitergeld gestellt“, sagt Dreyer. Auch für einen zweiten Zahnarzt hat er den Zuschuss beantragt.

Grundsätzlich sei der Besuch beim Zahnarzt für Patienten weitestgehend sicher, versichert Kammervize Michael Dreyer. Die Ärzte trügen Mundschutz, Visier und eine Schutzbrille, damit eventuell vorhandene Keime nicht übertragen werden.

Covid-19 hat offenbar besonders für Zahnärzte erhebliche wirtschaftliche Folgen. Auch in den Statistiken der Regionalvertretung der Bundesagentur für Arbeit sind Zahnärzte derzeit besonders stark vertreten. 52.800 Unternehmen in Berlin-Brandenburg hatten bis zum 20.04.2020 bei den Arbeitsagenturen Kurzarbeit angezeigt. In Berlin sind es 29.300 Unternehmen, das sind etwa 28 Prozent der Betriebe. In Brandenburg sind rund 23.500 Unternehmen betroffen, das entspricht 34 Prozent der Betriebe.

Grafik: BLZ/Galanty
Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Der Bereich Gesundheitswesen ist beim Kurzarbeitergeld in Berlin und Brandenburg mit durchschnittlich acht Prozent vertreten (sieben Prozent Brandenburg, neun Prozent in Berlin). Darunter sind keine Kliniken. Nach Auskunft des Sprechers der Regionaldirektion der Arbeitsagentur Holger Wenk hat bisher in Berlin und Brandenburg kein Krankenhaus für Ärzte und Pflegepersonal Kurzarbeit angemeldet. 80 Prozent der Anträge würden von Arbeitgebern aus dem Bereich nichtärztliche Heilberufe gestellt. Das sind vor allem Praxen der Logo-, Ergo-, Physio- und Psychotherapie. Die übrigen 20 Prozent betreffen Zahn- und Tierärzte.

Ratschläge mit der Lage umzugehen, geben in diesen Tagen vor allem Kammern und Berufsverbände. „Zahnärztinnen und Zahnärzte sind aufgrund der aktuellen Corona-Epidemie von einem massiven Fallzahleinbruch betroffen“, heißt es zum Beispiel auf der Internetseite der Berliner Zahnärztekammer. Dieser Rückgang führe zu deutlichen Umsatzrückgängen.

Um die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Zahnarztpraxen sicherzustellen und Insolvenzen zu verhindern, seien kurzfristig Liquiditätshilfen erforderlich. Es geht also um Ausgleichszahlzungen, Liquiditäts- und Soforthilfen sowie das Kurzarbeitergeld. Die Kammer berät und informiert tagesaktuell auch über eine Hotline.