Berlin - Die Männer mit Schirmmützen und langen Schürzen putzen die Fenster eines Mitropawagens. Diese Szene, 1935 auf dem Anhalter Bahnhof fotografiert, gibt es gleich zweimal – als historische Aufnahme und als Miniatur. Beides ist im Lokschuppen II des Deutschen Technikmuseums in Kreuzberg zu sehen. Mitglieder vom Museums-Arbeitskreis Modelleisenbahn bauen dort das Areal um den Anhalter Bahnhof nach. Als Modell auf 120 Quadratmetern, im Maßstab 1:87 – der Fachmann nennt das Spur Null.

Gut 700 Meter Schienen sind verlegt. 300 Weichen regeln die Fahrt der knapp 700 Züge, unter der Anlage sind gut zehn Kilometer Kabel gezogen. Eisenbahnfans dürfte angesichts all der kleinen Dampfloks und Dieseltriebwagen, der Bäumchen, historischen Fahrzeuge und fingernagelgroßen Straßenschilder, deren Beschriftung dennoch gut lesbar ist, das Herz aufgehen. Doch mit Modelleisenbahn hat das Ganze nichts zu tun, sagt Heinz Hofmann vom Arbeitskreis. „Wir bauen hier Stadtgeschichte von 1938/39 nach.“ Der riesige Anhalter Bahnhof, von dem nur noch der Porticus vor dem Tempodrom übrig ist, ist dabei das Herzstück.

Seit Anfang der 90er-Jahre bauen Hofmann und seine 22 Mitstreiter am Modell. Nur fünf von ihnen sind jünger als 60 Jahre. Hofmann selbst ist 55 und Medizinpädagoge. Als Kind hatte er mal eine Modellbahn, ein besonders emsiger Eisenbahnfan war er nie.

Einmal im Monat wird das Modell vorgeführt, so wie an diesem Sonnabend ab 11 Uhr. Dann fahren die Züge fast so wie es der Fahrplan von damals vorgab. Es wird auch erklärt, wieso es einst in Berlin hauptsächlich Kopfbahnhöfe gab und was die heutige Ringbahn damit zu tun hat. Auf einem der größeren Modellgebäude prangt die Aufschrift „Gesellschaft für Markt & Kühlhallen“ – dort steht heute das Technikmuseum. Bald können die Besucher selbst Züge fahren lassen – gleich neben dem Vorführmodell soll eine zweite Anlage aufgebaut werden.