Die Berliner Polizeischüler sind keine undisziplinierte Chaostruppe - allerdings gibt es offenbar in allen Jahrgängen und Klassen einzelne Polizei-Azubis, die negativ auffallen und ungeeignet sind für den anspruchsvollen Beruf. Das ist das Ergebnis einer umfangreichen Befragung von Dozenten, Personalvertretern und Auszubildenden am Montag im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses.

Der bekannte Psychologe und arabischstämmige Deutsch-Israeli, Ahmad Mansour, der als Gastdozent an der Polizeiakademie lehrt, forderte dringend eine differenzierte Darstellung der Schwierigkeiten, die auch manche jungen türkisch- oder arabischstämmigen Polizeischüler betreffen. „Ich finde es sehr problematisch, wenn man Menschen mit Migrationshintergrund als Gefahr sieht. Genauso falsch ist es, die Vorwürfe einfach nur als ausländerfeindlich zu bezeichnen.“ Das sei viel zu pauschal, sagte Mansour und nannte explizit Innensenator Andreas Geisel (SPD) als Beispiel.

Mansour sagte, es gebe im Durchschnitt pro Klasse etwa einen Schüler, „bei dem ich Bauchschmerzen habe“. Das könne ein deutschstämmiger Polizist mit einer sehr rechtslastigen und ausländerfeindlichen Einstellung sein. Oder ein junger Mann mit türkischer oder arabischer Herkunft, der frauenfeindliche oder antisemitische Meinungen vertrete. Beides komme vor und sei nicht zu akzeptieren. Die Probleme seien aber auch Folge einer schlechten Bezahlung, weniger Bewerbern und einer gesunkenen Qualität der Ausbildung.

Fehlende Lehrer, zu große Klassen

Auch die Personalvertreterin der Azubis, Victoria Kreutzer, sprach von einzelnen Auffälligkeiten mit fehlender Disziplin besonders bei den sehr jungen Polizeischülern. „Der Ernst hat einfach noch gefehlt“, sagte sie über eine Klasse. Viele der jungen Menschen bräuchten noch Zeit, um ihr Verhalten dem Beruf des Polizisten anzupassen. Auch Kreutzer bezeichnete fehlende Lehrer und zu große Klassen als Problem.

Derzeit gebe es 1200 Polizeischüler in drei Jahrgängen, früher habe die Zahl bei 500 gelegen. Margret Geuting, mit Ende 30 eine schon etwas ältere Polizeischülerin und Klassensprecherin, sagte, ihre ebenfalls älteren Mitschüler fühlten sich zu Unrecht kritisiert und in den Medien pauschal negativ dargestellt. Die Ausbildung sei praxis- und lebensnah und ihre Mitschüler seien alle hochmotiviert.

Der Dozent und Personalvertreter, Thorsten Schleiheider, berichtete, es komme vor, dass Bewerber jugendtypische Straftaten begangen hätten: Graffiti-Sprayen, Diebstähle, erste Kontakte mit Drogen, Fahren ohne Führerschein mit Mofas oder eine Schlägerei. „Da schauen wir natürlich genauer hin wegen der charakterlichen Eignung und besprechen das.“ Folge sei meist ein intensiveres persönliches Gespräch. In den vergangenen zwölf Monaten seien 13 Schüler entlassen worden.

Massive Reformen

Der Leiter der Polizeiakademie, Jochen Sindberg, verwies auf die massiven Reformen, die vor einigen Jahren wegen der veralteten Strukturen und Inhalte eingeleitet worden seien. Innen-Staatssekretär Torsten Akmann (SPD) forderte einen sachlichen Umgang mit den Schwierigkeiten anstatt einer Skandalisierung.

Eine genauere Aufarbeitung durch einen unabhängigen Sonderermittler verlangte erneut der CDU-Innenpolitiker Burkard Dregger. Für die FDP drängt der Abgeordnete Marcel Luthe weiterhin auf einen Untersuchungsausschuss, weil konkrete Fragen nicht beantwortet würden. Anonyme Vorwürfe zu Zuständen an der Schule für den Polizeinachwuchs hatten im November für Aufregung gesorgt. Die Rede war von Disziplinlosigkeit, Lernverweigerung und schlechtem Deutsch und Rechtschreibproblemen in einer Klasse mit vielen Schülern aus Einwandererfamilien.(dpa)