Der Fall sorgte bundesweit für Schlagzeilen. Der Filialleiter eines Supermarktes in Lichtenberg soll im September dieses Jahres einen Ladendieb erwischt und verprügelt haben. Dabei soll er den Mann so schwer verletzt haben, dass dieser drei Tage später starb. Es war offenbar nicht das erste Mal, dass ein ertappter Dieb in diesem Supermarkt misshandelt worden war. Nun wurde Anklage gegen den 29-jährigen Filialleiter erhoben.

Keine Polizei, keine Anzeige

„Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann gefährliche Körperverletzungen mit Todesfolge vor“, sagte Lisa Jani, die Sprecherin des Landgerichts, am Donnerstag der Berliner Zeitung. Noch sei die Anklage nicht zur Hauptverhandlung zugelassen, es gebe demnach auch noch keinen Termin für einen Prozess.

Am 19. September dieses Jahres schleppte sich der 34 Jahre alte Moldawier Eugeniu B. mit schweren Gesichtsverletzungen in die Praxis eines Arztes in Lichtenberg. Dort gab er an, zwei Tage zuvor geschlagen worden zu sein. Der Mediziner überwies den Schwerverletzten sofort in ein Krankenhaus, wo Eugeniu B. einen Tag später seinen Verletzungen erlag.

Laut Anklage war Eugeniu B. am Morgen des 17. September in den Supermarkt im S-Bahnhof Lichtenberg gewesen. Gegen 8 Uhr morgens soll ihn Filialleiter Andreas S. beim Ladendiebstahl erwischt haben. Doch anstatt den Mann der Polizei zu übergeben, wie es in solchen Fällen üblich ist, soll der Filialleiter den ertappten Ladendieb in den hinteren Teil des Supermarkts gebracht und ihm dort zweimal mit der rechten Faust ins Gesicht geschlagen haben. Dabei, so steht es in der Anklage der Staatsanwaltschaft, trug der gelernte Einzelhandelskaufmann Quarzhandschuhe. Solche Handschuhe verstärken die Wirkung von Schlägen deutlich. Zudem soll der Filialleiter mindestens einmal mit dem Fuß auf sein Opfer eingetreten haben, bevor er Eugeniu B. aus dem Laden warf. Eine Anzeige wegen Ladendiebstahls erstattete der Filialleiter nicht.

Durch die Schläge erlitt Eugeniu B. eine Blutung unter der Hirnhaut und eine Hirnschwellung. Zudem wurden bei ihm eine Nasenbeinfraktur und Einblutungen im Gesicht diagnostiziert. Die Ärzte im Krankenhaus konnten ihm nicht mehr helfen: Eugeniu B. starb drei Tage nach der mutmaßlichen Misshandlung an der massiven Gewalteinwirkung gegen seinen Kopf.

Eine Woche nach dem Tod des Mannes wurde Andreas S. festgenommen, ein Richter erließ Haftbefehl. Die Ermittlungen ergaben, dass es in dem Supermarkt offenbar schon mehrfach zu Übergriffen auf Ladendiebe gekommen war. Derartige Misshandlungen sollen, so heißt es aus Ermittlerkreisen, an der Tagesordnung gewesen sein. Neben dem Filialleiter stehen offenbar auch weitere Mitarbeiter der Supermarktfiliale im Verdacht, an Misshandlungen von erwischten Ladendieben beteiligt gewesen zu sein. Bei der Staatsanwaltschaft soll er weitere Ermittlungsverfahren geben.

Ehefrau als Nebenklägerin

Der Filialleiter Andreas S. saß rund vier Wochen in Untersuchungshaft. Er wurde Ende Oktober von der Haft verschont; der nicht vorbestrafte Mann ist seitdem auf freiem Fuß. Der Filialleiter soll die Vorwürfe bestritten haben.

Bei einem Prozess vor dem Landgericht wird Oxana B. als Nebenklägerin auftreten. Sie ist die Ehefrau des getöteten Mannes.