Der Name zieht, egal in welchem Zusammenhang er fällt. Und so ist es nur folgerichtig, dass das Gedränge am Amtsgericht Tiergarten an diesem Donnerstagvormittag riesig ist. Weniger die Fans sind es, die den Gangster-Rapper Bushido in seiner Paraderolle sehen wollen: als Bad Boy, der sich wieder vor Gericht verantworten muss. Vielmehr sind unglaublich viele Medienvertreter gekommen, die einen Umzug in einen größeren Saal notwendig machen. Und so twittert Bushido dann auch sofort etwas süffisant: „Voll wenig Presse im Gericht!“ Dabei musste sich der Rapper gar nicht durch den Wust der Kameraleute und Rundfunkreporter kämpfen, die vor dem Saal auf die Ankunft des prominenten Angeklagten umsonst ausharrten. Denn Bushido kommt durch die Hintertür in den Saal.

Ohrfeige nach verbalem Streit

Man muss einräumen, dass die Anklage zum Image des 35-Jährigen passen würde. Schon öfter stand Bushido vor Gericht. Zuletzt wurde er Ende 2011 zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er einen Ordnungsamtsmitarbeiter als Idioten bezeichnet hatte. Diesmal sollen er und sein mitangeklagter Nachbar im Mai 2013 einen Fan, der laut Anklage vor Bushidos Wohnung in Lichterfelde gewartet und ein Autogramm verlangt hatte, nach einem Streit geohrfeigt und dann mit einem Schuh attackiert haben. Gefährliche Körperverletzung lautet der Vorwurf, weil die Angeklagten gemeinschaftlich gehandelt haben sollen und der Staatsanwalt in dem Schuh ein gefährliches Werkzeug sieht. Der Fan blieb unverletzt.

Bushido lässt im Gericht das Blitzlichtgewitter mit gesenktem Kopf über sich ergehen. Erst als die Fotografen hinausgeschickt werden, zieht er sich entspannt die schwarze Bundjacke aus. Er sieht schmal aus neben dem zehn Jahre älteren Mitangeklagten, einem bulligen Typ mit Glatze, der schon als Türsteher gearbeitet hat, und den Bushido einen guten Freund nennt.

Der Jugendliche drohte mit Anzeige

Bushido macht heute den Good Boy. Geradezu höflich antwortete der Rapper auf eine entsprechende Frage des Richters, dass er sich zu den Vorwürfen äußern wolle. Er erzählt eine halbe Stunde über den 19. Mai 2013, den Pfingstsonntag. Mehrfach habe es an der Wohnungstür geklingelt. Jedes Mal habe seine Frau die Jugendlichen gebeten, zu verschwinden. „Als es zum vierten Mal klingelte, bin ich ran. Über die Kamera habe ich die Jungs erkannt“, sagt Bushido. Sie seien schön öfter bei ihm aufgetaucht, hätten Klingelstreiche gemacht und seine Angestellten im Büro und im Fan-Shop belästigt. „Ich habe denen gesagt: Tut mir einen Gefallen und haut ab.“ Als das nichts bewirkt habe, sei er vor die Tür gegangen. Unterwegs habe er noch seinem Nachbarn gewinkt, er möge ihn begleiten. „Ich habe ihn zu meinem Schutz gebraucht. Es gibt Menschen, die provozieren und filmen mich, um die Videos dann ins Internet zu stellen oder an die Presse zu verkaufen.“

Bushido erzählt, dass vier der Jungs mit einem Auto davongerast seien, als er vor das Haus trat. Einer blieb zurück. Diesem habe er angekündigt, nun die Polizei zu rufen. „Ich habe die Beamten schon acht- oder neunmal gerufen, weil immer wieder irgendjemand geklingelt hat oder vor meiner Tür herumlungerte.“ Der Junge habe angekündigt, dass er Anzeige erstatten werde, sollte die Polizei wirklich kommen. Zu der vermeintlichen Ohrfeige und Schuhattacke sagt Bushido, sein Nachbar habe den Jungen nur weggeschubst, als der zu aufdringlich wurde, und ihn bis zum Eintreffen der Beamten fixiert. „Ein Schuh spielte keine Rolle“, sagt der Rapper. „Alle Schuhe, die dort vor Ort waren, waren an unseren Füßen.“

Selbst wenn man Bushido die sanfte Masche nicht abnehmen wollte, muss man es spätestens mit dem Auftritt der Zeugen. Das 17-jährige mutmaßliche Opfer will nichts sagen, weil es sich selbst belasten würde. Zwei 16-Jährige halten den Mund. Sie haben bei der Polizei offenbar nicht die Wahrheit gesagt. Der arbeitslose 21-jährige Fahrer des Pkw, der sich bei Facebook als Angestellter von Bushidos Plattenlabel ausgibt, hat angeblich nichts mitbekommen.

Entscheidung in zwei Minuten

Es ist ein kurzer Prozess, und Richter Torsten Dube muss nach den Plädoyers – sowohl Staatsanwalt als auch Verteidiger beantragen Freispruch – keine zwei Minuten lang über das Urteil nachdenken. „Die Angeklagten werden auf Kosten der Landeskasse freigesprochen“, verkündet er nach einer noch nicht mal einstündigen Verhandlung. Es sei nichts übriggeblieben von den Vorwürfen. „Wenn man das Verhalten der Zeugen sieht, dann zieht einem das schon die Schuhe aus“, sagt Dube in Anspielung auf die imaginäre Schuhattacke.

Bushido sagt nach seinem Freispruch kein Wort. Dafür redet sein Anwalt. „Mir war klar, dass es einen Freispruch geben wird“, sagt Stefan Conen. „Mein Mandant hatte sich nichts vorzuwerfen. Die Anklage ist zu unrecht erhoben worden.“ Das Verhalten der Zeugen dagegen ginge schon in den Stalkingbereich.