Ein weiteres schulpolitisches Experiment steht vor dem Aus: Nach einschlägigen Gerichtsurteilen und fortwährenden Elternprotesten ändert der Bezirk Mitte nun das Anmeldeverfahren für seine Grundschulen. Ist eine Schule übernachgefragt, haben die Kinder, die in der Nähe wohnen, künftig wieder Vorrang. Das bestätigte Schulstadträtin Sabine Smentek (SPD) auf Nachfrage. Das gelte bereits für die kommenden Grundschulanmeldungen, die vom 6. bis 17. Oktober stattfinden. Zuvor hatte der Bezirk den Schulfängern teils besonders lange Schulwege zugemutet.

Denn anders als die übrigen Berliner Bezirke hatte Mitte im Jahr 2010 die Grundschulanmeldungen neu geregelt. Damals wurden mehrere Schulsprengel gegründet, die mitunter aus mehr als fünf Grundschulen bestanden. Fortan waren die angehenden Erstklässler nicht mehr gehalten, die nächstgelegene Schule als Einzugsbereich-Grundschule zu besuchen. Vielmehr konnten Eltern und Schulanfänger wählen. Der Gedanke der Wahlfreiheit wurde denn auch von den verantwortlichen Bezirkspolitikern besonders betont.

Mehr Schülermischung

Im Hintergrund ging es aber auch darum, Schüler unterschiedlicher sozialer Milieus stärker zu vermischen. So schuf man etwa einen Schulsprengel 7, der zunächst vom Alexanderplatz über die Bernauer Straße bis zum Gesundbrunnen-Center im Wedding reichte. Migrantenkinder aus dem Wedding sollten so auch die Schulen im eher bildungsbürgerlich geprägten Alt-Mitte besuchen und umgekehrt.

Doch dagegen klagten Eltern besonders aus Alt-Mitte, die keine Grundschule im rauen Wedding für ihr Kind akzeptierten. Die Richter gaben ihnen stets recht, weil die Schulwege in einzelnen Sprengeln zu lang und damit nicht altersangemessen seien. Je nach Ansicht des Richters sollte der Weg hin zur Schule maximal einen oder zwei Kilometer betragen.

Derart unter Druck lenkte die Schulstadträtin ein: „Das Auswahlverfahren soll nun bei Übernachfragen nach den Vorgaben für Einzel-Einschulungsbereiche durchgeführt werden“, teilte Smentek in bester Bürokratensprache mit. Das heißt: Es ist nun wieder entscheidend, an welcher Schule die Anmeldung angegeben wird. Hat diese Schule dann mehr Bewerber als Plätze, werden die Kinder bevorzugt aufgenommen, die näher an der Schule wohnen.

Dieses Verfahren sei inzwischen auch vom Verwaltungsgericht bestätigt worden, sagte Smentek und kündigte für das Schuljahr 2016/17 schon mal eine generelle Überprüfung der Einzugsbereiche an. Geschwisterkinder hätten die Schulen ohnehin weiter bevorzugt aufnehmen müssen. Nun wolle sie auch bestimmte Schule wie die Papageno-Grundschule in Alt-Mitte mit zusätzlichen Räumen ausstatten, kündigte Smentek an.

Als Mitte die Sprengellösung einst einführte, hatten sich auch andere Bezirke interessiert daran gezeigt. Doch ein Erfolgsmodell sieht anders aus.