Berlin - Trotz der Pläne des Bundesgesundheitsministeriums, anonyme Geburten zu verbieten und Babyklappen zum Auslaufmodell zu erklären, hält Berlin an seiner bisherigen Praxis fest. „Wir haben gute Erfahrungen sowohl mit Babyklappen als auch mit anonymen Geburten gemacht“, sagte Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) am Dienstag im Vivantes Klinikum Neukölln. Das Krankenhaus ist eines von vier in Berlin, in denen es eine Babyklappe gibt.

Versiegelter Umschlag

Da sowohl Babyklappen als auch anonyme Geburten dem Grundgesetz zuwiderlaufen (siehe nebenstehenden Kasten), plant das Familienministerium unter Ministerin Kristina Schröder (CDU) eine bundesweit einheitliche Regelung zu schaffen. Statt ano-nymer Geburten soll es „vertrauliche“ Geburten geben, bei denen der wahre Name der Mutter in einem versiegelten Umschlag aufbewahrt wird, so dass die Kinder mit 16 Jahren erfahren können, wer sie geboren hat. Geplant ist auch, dass bestehende Babyklappen geduldet werden – für die Dauer von acht Jahren.

Schnürsenkel um die Nabelschnur

Babyklappen seien „das schlechteste Angebot“, das Schwangeren in Not unterbreitet werden könne, erklärte Rainer Rossi, Chef der Kinder- und Jugendmedizin des Klinikums. Schlecht sei das Angebot deshalb, weil zuvor eine Laiengeburt stattfinden müsse, also ohne ärztliche Hilfe. „Wir hatten schon Säuglinge hier, deren Nabelschnur war mit einem Schnürsenkel abgebunden.“ Er wolle deshalb nicht werben für die Babyklappe, und sie sei auch keine Erfolgsgeschichte, aber sie helfe nun mal einer kleinen Gruppe in Not.

In einem Brief an Gesundheitsministerin Schröder hat Senator Czaja auf die guten Erfahrungen mit den Berliner Babyklappen und den anonymen Geburten hingewiesen. Beide Angebote hätten dafür gesorgt, dass sich Frauen hilfesuchend an die Kliniken wandten – und nicht selten hätten sie sich nach vielen Gesprächen für eine vertrauliche Geburt entschieden oder das Kind gar behalten.

Die Belegschaft diskutiert

„Wenn es das Angebot der anonymen Geburt nicht gegeben hätte, wären diese Frauen nicht ins Krankenhaus gekommen“, so der Senator. Er plädierte am Dienstag unumwunden für die Einrichtung einer fünften Babyklappe. „Ich würde es begrüßen, wenn es auch östlich des Brandenburger Tores eine gebe.“

Diese könnte im Krankenhaus Friedrichshain entstehen. Derzeit werde in der Belegschaft darüber debattiert, hieß es. Die Zustimmung sei aber Voraussetzung.