Die Berliner Polizei überprüft eine Audio-Datei, in der ein Ausbilder der Polizeiakademie im Bezirk Spandau unhaltbare Zustände an der Einrichtung beklagt. Die anonyme Voice-Mail wurde Polizeipräsident Klaus Kandt in der vergangenen Woche vertraulich von einem Mitarbeiter übermittelt. An der Echtheit der Aufnahme bestehe kein Zweifel, sagte Polizeisprecher Thomas Neuendorf am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. „Wir werden uns die Schule genauer anschauen, mit Schülern und Auszubildenden sprechen, was dort für Missstände herrschen.“

In der Aufnahme, die der Zeitung „Welt“ vorliegt, beklagt sich ein Mann, der sich als Ausbilder an der Akademie bezeichnet, über Hass, Lernverweigerung und Gewalt in einer Klasse mit vielen Polizeischülern mit Migrationshintergrund. Demnach kommt der Mann zu dem Fazit: „Das sind keine Kollegen, das ist der Feind. Das ist der Feind in unseren Reihen.“ Zunächst war unklar, ob die Aufnahme echt ist.

An der Akademie komme es immer wieder zu Problemen, sagte Neuendorf. Auch begingen Schüler Straftaten. „Diejenigen werden sofort entlassen.“ Die Beschwerden des Ausbilders hätten jedoch eine andere Qualität. „Sie wurden sehr emotional vorgetragen“, so der Sprecher. „Kritik ist in Ordnung. Der Ton und die Form waren jedoch nicht angemessen.“ Man hätte sich gewünscht, dass sich der Ausbilder direkt an seine Vorgesetzten wendet.

Behördenleitung spricht mit Ausbilder

Ein Gespräch mit dem Mann habe die Behördenleitung bereits geführt, es sei sachlich verlaufen, sagte Neuendorf. „Er befand sich eindeutig in einer überforderten Situation.“ Den Angaben des Mannes werde jetzt nachgegangen. „Frechheiten und Disziplinlosigkeiten werden wir nicht zulassen“, so Neuendorf. „Wir brauchen Schüler, die einen vernünftigen Umgang mit Vorgesetzten und Klassenkameraden pflegen.“

Der Gewerkschaft der Polizei (GdP) ist der Vorfall bekannt. Seit geraumer Zeit gebe es immer wieder Äußerungen über die Akademie, an der jährlich mehr als 1200 Menschen ausgebildet würden, hatte GdP-Sprecher Benjamin Jendro der Deutschen Presse-Agentur gesagt. „Das ist aber nichts Handfestes, sondern immer nur vom Hörensagen. Unser Problem ist, dass sich bei uns noch niemand gemeldet hat.“

Auffällig sei jedoch, dass sich die Beschuldigungen immer gegen Menschen mit Migrationshintergrund richteten. Zudem sei von den verschiedenen Polizeibehörden in Berlin noch nie etwas Vergleichbares geäußert worden. In einem Fall habe sich auch herausgestellt, dass die Vorwürfe nicht stimmen konnten. Jendro forderte diejenigen auf, die etwas wissen, sich zu melden. (dpa)