Endlich! Schade! Nicht schon wieder! Auf die Änderung, die den Fahrgästen in den U-Bahnen der Linie U 2 bevorsteht, gibt es mehrere mögliche Reaktionen: Erleichterung, Bedauern, Ärger. Von Sonntag an kündigen nicht mehr Schauspieler, Sportlerinnen und andere Berühmtheiten die 29 Bahnhöfe zwischen Pankow und Ruhleben an. Stattdessen weisen im März Nichtprominente auf die Stationen hin – Berlinerinnen und Berliner, die bei einem Wettbewerb von radioBerlin 88,8 und den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) mitmachten.

„Im März werden die Stationen von den Gewinnern unserer gemeinsamen Aktion angesagt“, sagte BVG-Sprecher Markus Falkner. An diesem Sonntag wollen Nikutta und Claudia Nothelle, die Programmdirektorin des Rundfunks Berlin-Brandenburg (rbb), den Startschuss für die große Umstellung geben.

Frank Zander wird nicht mehr den U-Bahnhof Klosterstraße ankündigen, Otto Waalkes nicht mehr den Sophie-Charlotte-Platz bejodeln. BVG-Chefin Sigrid Nikutta, deren Ansage zum Hausvogteiplatz auch sehr schläfrige Fahrgäste aufwecken kann, verstummt ebenfalls. Und Dieter Hallervorden muss sich nicht mehr dem Verdacht aussetzen, ein Rassist zu sein, nur weil er in der U 2 darauf hinweist, dass als Nächstes die Mohrenstraße kommt.

60.000 Euro Kosten für die BVG

Probeläufe der neuen Ansagen gab es schon, sagte Falkner. So konnten sich die Fahrgäste schon mal darauf einstellen, dass Melinda aus Pankow nun dafür verantwortlich ist, den Bahnhof Senefelderplatz anzusagen. Bisher war Jan Josef Liefers zu hören. Eine Station weiter hat in einigen Zügen Denise aus Köpenick Katja Riemann bereits verdrängt.

Sind die Ansagen ein netter Gag, der einer kreativen Metropole gut ansteht (auch wenn die Idee aus Hamburg kam)? Oder handelt es sich um akustische Umweltverschmutzung? „Wir haben viele positive Reaktionen bekommen“, sagte BVG-Sprecher Falkner. Dagegen startete die U-2-Anwohnerin Ruth Herzberg eine Online-Petition, um die Promi-Ansagen stoppen zu lassen. Berliner, die auf die U-Bahn angewiesen sind, würden belästigt, kritisierte sie. „Die Ansagen sind ein Stressfaktor auf dem Arbeitsweg.“ BVG-Nutzer sollten von Marketingspielchen und „Profilneurosen von Prominenten“ unbehelligt bleiben.

Es war eine Sichtweise, die viel Zustimmung bekam. Die Ansagen seien eine „absolute Zumutung“, so ein Kommentar. „Am schlimmsten ist die BVG-Chefin.“ Es wurde auch gefragt, ob öffentliche Gelder ausgegeben wurden, eine Frage, die der Senat bejahte. „Den Berliner Verkehrsbetrieben – Anstalt öffentlichen Rechts – sind Kosten von rund 60.000 Euro entstanden“, erfuhr Andreas Baum, Abgeordneter der Piraten. Die Aktion sei aus dem Marketingbudget des Landesunternehmens finanziert worden, hieß es.

„Die Geschmäcker sind verschieden“, sagte Jens Wieseke vom Fahrgastverband IGEB. „Ich würde die Aktion mit Fassung tragen, wenn die BVG eine wichtige Aufgabe nicht vernachlässigen würde – die Information der Fahrgäste. Daran hapert es oft. Die BVG scheint Marketing mit Showbusiness zu verwechseln.“

„Wir sehen die Petition gelassen“, entgegnete Falkner. „In zwei Wochen hatte sie exakt 489 Unterstützer. Im gleichen Zeitraum befördern wir auf der U-Bahn-Linie U 2 mehr als vier Millionen Fahrgäste.“

Und das sagen Redakteure der Berliner Zeitung zu den Stimmen: