Anschläge: In Berlin brennen wieder mehr Autos

In Berlin brennen wieder mehr Autos. Wie ein Polizeisprecher auf Anfrage sagte, wurden in den ersten fünf Monaten dieses Jahres bereits 146 Autos direkt angezündet. Die Flammen griffen auf 52 weitere Fahrzeuge über beziehungsweise zogen diese in Mitleidenschaft. Im gesamten vergangenen Jahr hatte die Polizei 186 direkt angesteckte Autos gezählt und 95 beschädigte Fahrzeuge.

Zugenommen hat auch die Zahl der politisch motivierten Brandanschläge auf Autos. Im vergangenen Jahr zündeten mutmaßlich Linksextremisten 45 Autos an. In diesem Jahr gingen von den bisher angezündeten Autos 47 aus politischen Motiven in Flammen auf. Möglicherweise waren es mehr, denn bei vier weiteren Autos kann die Polizei noch kein Tatmotiv zuordnen.

Festgenommen wurde in diesem Jahr noch kein Brandstifter. „Es ist schwer, die Täter zu fassen“, so Polizeisprecher Thomas Neuendorf. „Die Taten sind schnell ausgeführt, und wenn sie entdeckt werden, sind die Brandstifter längst weg.“ Gleichwohl sei man mit entsprechenden Kräften auf den Straßen unterwegs, um die Täter zu ermitteln.

Nach dem Höhepunkt der Autobrände im Jahr 2011 – damals wurden 537 Autos direkt angezündet und 222 weitere von den Flammen beschädigt – sanken die Zahlen. Unter anderem deshalb, weil damals ein Mann festgenommen wurde, dem 67 Anschläge auf mehr als 100 Autos nachgewiesen wurden. Vor Gericht gab der damals 28-Jährige zu, dass er die Autos aus Hass gegen die Reichen angezündet habe. Zur linken Szene zählte er gleichwohl nicht.

Die Motive, ein Auto in Brand zu setzen, waren damals wie heute die selben: Sozialneid, Versicherungsbetrug, Lust an Zerstörung. Das Legen von Grillanzündern auf Autoreifen ist seit 2011 zu einer Art Volkssport unter Kriminellen geworden.

Serientäter unterwegs?

So ermittelt die Polizei derzeit wegen einer Brandserie in Oberschöneweide: In der Nacht zum 20. Mai wurden in der Keplerstraße ein Kia und ein VW angezündet. Die Flammen griffen auf zwei weitere Autos über. Am 23. Mai ging in der Parkstraße ein Opel in Flammen auf. Am Sonnabend brannten an der Treskowstraße ein VW Fox, in der Nacht zum Sonntag in der Firlstraße ein VW Polo und in der Nacht zum Montag An der Wuhlheide ein Renault, ein Mercedes und ein Audi. Die Ermittler des Landeskriminalamtes prüfen, ob sie es mit einem Serienzündler zu tun haben.

Damals wie heute sind auch Brandstifter aus der linken Szene unterwegs, die jedoch laut Polizei nicht die Mehrheit der Täter bilden. So stehen Linksradikale im Verdacht, am Freitag am Ostkreuz elf Autos auf einem Gelände der Deutschen Bahn angezündet zu haben. Und in der Nacht zum Sonntag hinterließen Vermummte eine Spur der Verwüstung in der Alten Jakobstraße in Mitte. Sie zündeten vier Autos an, beschädigten mit Steinen und Farbbeuteln Fassaden und zündeten Baumaterial auf einem Grundstück an, auf dem Luxus-Wohnungen entstehen.

Inzwischen bekannten sich am Montagabend Linksradikale im Internet zu der Randale. In dem Schreiben, dessen Verfasser sich „Autonome Gruppen“ nennen, werden die Taten unter anderem mit einer Stadtentwicklung „zugunsten der Reichen“ begründet.

Innensenator Frank Henkel (CDU) hatte auf dem Höhepunkt der Autobrände im Wahljahr 2011 als CDU-Spitzenkandidat dem damaligen SPD-Innensenator immer wieder vorgeworfen, das Phänomen der brennenden Autos zu vernachlässigen. Nun – im Wahljahr 2016 – hat Henkel selbst ein Problem damit. Am Montag versicherte er auf Anfrage, die Polizei habe das Phänomen im Blick und ergreife geeignete Maßnahmen „zur Prävention, Ermittlung und Festnahme der Täter“.