Berlin - Verlassen ist die große Villa auf dem weitläufigen Grundstück am Ende des Friedrich-Engels-Damms in Bad Saarow, knapp 80 Kilometer südöstlich von Berlin. Nach zwei brutalen Angriffen hat sich die Familie des Berliner Immobilienunternehmers Christian Pepper (61) am Dienstag an einem unbekannten Ort in Sicherheit gebracht. "Die Familie steht nun unter Polizeischutz", sagte Polizeisprecher Detlef Lüben. Die Familie führt in Berlin eines der bedeutendsten Immobilienimperien: Ihr gehört das Europa-Center, sechs Gebäude am Ernst-Reuter-Platz, Hotels sowie weitere Immobilien in Berlin und Bad Saarow.

Anlass für die überstürzte Abreise ist ein versuchter Mordanschlag vom Sonntag, der sich wohl gegen die 23-jährige Tochter des Unternehmers richtete. Sie war um 7.20 Uhr auf der Pferdekoppel neben der Villa, als Schüsse fielen. Abgefeuert von einem Mann, der eine sandfarbene Tarnjacke und einen Militärhelm mit Netz vor dem Gesicht trug. Ein Wachmann warf sich vor die Frau, so dass drei Projektile seinen Oberkörper trafen. Der 31-jährige wurde auch an der Wirbelsäule verletzt.

Der private Wachschutz sicherte die Familie seit sechs Wochen, weil damals offenbar derselbe Täter Peppers 58-jährige Ehefrau vor ihrer Villa am Scharmützelsee angegriffen, mehrfach mit einer Knüppel geschlagen und schwer verletzt hatte.

Motorrad im Trafohaus versteckt

Der angeschossene Wachmann schwebt weiter in Lebensgefahr und konnte noch nicht befragt werden, sagte Polizeisprecher Lüben am gestrigen Dienstag. Die Mordkommission wurde auf 20 Kriminalisten aufgestockt. Es sind bislang nur sechs Hinweise von Zeugen bei der Polizei eingegangen. "Ob sie zielführend sind, ist völlig unklar", sagte Lüben.

Fest steht, dass der Schütze das Motorrad, das er nach dem Angriff zur Flucht nutzte, selbst an einem Trafohaus versteckt hatte. Sein Motiv ist völlig unklar. Als unwahrscheinlich gilt, dass er eine der Frauen entführen wollte, um Geld zu erpressen. Da aber auch nicht ausgeschlossen werden kann, dass sich der zweite Anschlag gegen den Wachmann richtete, wird dieser nun im Bad Saarower Krankenhaus von zwei Polizisten in kugelsicheren Westen bewacht.

Am Dienstagmorgen gegen 8 Uhr rollten Polizeiwagen auf das Gelände am See. "Wir werden jetzt das gesamte Areal noch einmal nach Spuren absuchen", sagte ein Ermittler. Ballistiker des LKA Brandenburg untersuchen bereits die Munition.

Nicht nur die Familie hat das Grundstück verlassen, auch die Tore der Pferdeställe auf dem Gelände eines ehemaligen Ferienlagers gegenüber der Villa stehen offen. Fast alle Tiere wurden an einen sicheren Ort gebracht. Nur ein paar Gänse laufen umher - und der Belgische Schäferhund Paulchen. Der Hund hatte beim ersten Angriff den Täter vertrieben und wohl auch gebissen. Freunde der Familie würden sich um den Hund kümmern, sagten Bekannte der Familie. Wegen der laufenden Ermittlungen äußerte sich die Familie am Dienstag nicht mehr zu den Anschlägen. Unklar ist noch, ob Pepper die nach dem ersten Angriff ausgesetzte Belohnung von 10 000 Euro aufstockt.

Spekulationen nach der Tat

Nach der Tat gab es Spekulationen, dass der Anschlag mit Peppers Bauplänen im Ort zu tun haben könnte oder damit, dass er das Grundstück nach dem Ende der DDR rückübertragen bekommen hat. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es mit einer seiner Investitionen zu tun hat", sagte Bürgermeisterin Gerlinde Stobrawa (Linke). Das Rückübertragungsverfahren sei ordnungsgemäß verlaufen, und Konflikte um Bauprojekte gebe es auch nicht. Pepper stellte sogar den Strand an seinem Grundstück bislang für die Öffentlichkeit zum Baden bereit.

Ein Mann aus der Nachbarschaft sagte am Dienstagabend: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Angriffe geschahen, weil jemand aus dem Ort neidisch war. Der Chef der Familie ist angenehm, umgänglich und hat sich für den Ort engagiert." Vielleicht war es persönliche Rache. "Oder ein Verrückter hat sich wahllos eine reiche Familie ausgesucht."