Berlin - Angehörige der Opfer des Terroranschlags auf einen Berliner Weihnachtsmarkt vermissen laut einem Zeitungsbericht staatliche Anteilnahme. Ein Staatsakt wäre angemessen und sei in anderen Ländern selbstverständlich, zitiert der Berliner „Tagesspiegel“ eine Frau, deren Lebensgefährte seit dem Attentat vor drei Wochen um sein Leben kämpft.

"Traurig und unwürdig"

„Ich finde die mangelnde Beachtung vonseiten des Staates traurig und unwürdig“, sagte die Frau demnach. Man höre auch in der Öffentlichkeit wenig von den Opfern, beklagte sie.

Am Abend des 19. Dezember hatte der 24-jährige Tunesier Anis Amri einen Lastwagen in den Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche gesteuert, zwölf Menschen getötet und mehr als 50 verletzt. Vier Tage später wurde er bei einer Polizeikontrolle in Italien erschossen. Zuvor hatte sich Amri in einem Video zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekannt.

Bedürfnis nach Aufmerksamkeit

Seelsorger berichteten dem Blatt ebenfalls von einem Bedürfnis der Opfer und der Angehörigen nach medialer Aufmerksamkeit. Eine würdevolle Berichterstattung sei wichtig, auch um im Gedächtnis zu bleiben, hieß es. Zudem fehle eine politische Gedenkkultur. Der Opfer-Beauftragte des Landes Berlin, Roland Weber, sagte: „Es gibt tatsächlich ein großes Bedürfnis nach Informationen, aber auch nach Zuwendung und nach Austausch mit anderen Betroffenen.“

Am Tag nach dem Anschlag kamen zahlreiche Spitzenpolitiker zu einem Gedenkgottesdienst, darunter Bundespräsident Joachim Gauck, Kanzlerin Angela Merkel und Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller.

Ein Ort zum Gedenken an die Opfer des Terroranschlags

Der evangelische Berliner Bischof Markus Dröge sprach sich dafür aus, einen Ort zum Gedenken an die Opfer des Terroranschlags an der Gedächtniskirche zu schaffen. „Wenn die Blumen verwelkt und die Kerzen abgebrannt sind, muss es einen würdevollen Ort geben, um in unmittelbarer Nähe des Anschlagortes der Opfer zu gedenken“, sagte Dröge am Samstag auf Anfrage. Zuvor hatte er dies bereits dem Evangelischen Pressedienst epd gesagt.

Die Gemeinde der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in direkter Nachbarschaft sei auch weiterhin sehr offen für konkrete Überlegungen und werde gerne konstruktiv mitarbeiten, „um die Erinnerung an den grausamen Mord aus religiösem Wahn wach zu halten“. Er wünsche sich, dass die Form des Gedenkens gemeinsam mit den Angehörigen der Opfer des Anschlags vom 19. Dezember entwickelt werde, sagte Dröge. (dpa)