Berlin - Im Whatsapp-Chat nannte sich Shaas Al M. wohl „Derjenige, der sich nach dem Paradies sehnt“. Unter diesem Pseudonym soll der Syrer Kontakt zu der Terrororganisation Islamischer Staat gehalten (IS) haben.

Laut Bundesanwaltschaft hat der gerade 20 Jahre alt gewordene Shaas Al M. in Berlin potenzielle Anschlagziele ausgekundschaftet und seine Erkenntnisse einem Kontaktmann des IS übermittelt. Zudem soll der junge Mann als Ansprechpartner der Terrormiliz für etwaige Attentäter in Deutschland bereit gestanden haben. Seit Mittwoch muss sich der verheiratete Mann, dessen Frau, Sohn und Eltern noch in Syrien leben, vor dem 1. Strafsenat des Kammergerichts verantworten.

181 Taten vorgeworfen

Der Vorsitzende Richter Andreas Müller lehnte gleich zu Beginn der Verhandlung den Antrag der beiden Verteidiger, die Öffentlichkeit wegen des noch jungen Alters des Mandanten auszuschließen, ab. Es gebe nach den jüngsten Ereignissen in Berlin – Müller meinte den Terroranschlag vom 19. Dezember am Breitscheidplatz mit zwölf Toten – ein ganz besonderes Interesse der Öffentlichkeit an diesem Verfahren.

In dem Verfahren werden dem Angeklagten insgesamt 181 Taten vorgeworfen. Es geht dabei um neuralgische Orte der Stadt, an denen sehr viele Touristen zu finden sind. Der Alexanderplatz, das Brandenburger Tor und der Bereich um den Reichstag standen laut Anklage auf der Liste der Plätze, die Shaas Al. M. ausspioniert hat. Bundesanwalt Gerwin Moldenhauer geht davon aus, dass der junge Mann dem IS von Ende August 2015 bis Mitte Februar 2016 mitgeteilt hat, wie viele Personen und Reisebusse sich zu welcher Zeit an den drei Orten aufhielten. Dem Angeklagten soll dabei bewusst gewesen sein, dass der IS diese Angaben für mögliche Attentate nutzen könnte.

Laut Moldenhauer hat sich Shaas Al M. bereits im Jahr 2013 in Syrien der ausländischen Terrorvereinigung IS angeschlossen, dort eine militärische Ausbildung an der Kalaschnikow erhalten und in Syrien an verschiedenen Kampfhandlungen mitgewirkt. Shaas Al M. soll laut Anklage als 17-Jähriger in seinem Heimatdorf von einem Imam und IS-Mitglied für die Terrormiliz angeworben worden sein.

Im August 2015 kam der Angeklagte als 18-Jähriger über die Balkanroute nach Deutschland. „Er distanzierte sich in der Bundesrepublik nicht vom IS“, sagte Moldenhauer. Shaas Al M. habe über sein Smartphone den Kontakt zu der Terrormiliz in Syrien gehalten.

Shaas Al M. äußerte sich nicht zu den Vorwürfen. Er hatte zuletzt offenbar im brandenburgischen Bad Belzig gelebt und von dort auch den Kontakt nach Syrien gehalten. Die Staatsanwaltschaft Potsdam hatte zunächst ein Ermittlungsverfahren gegen ihn eingeleitet – wegen des Verdachts der Verabredung zu einem Verbrechen. Am 22. März vergangenen Jahres wurde er vorläufig festgenommen. Kurz darauf übernahm die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe das Verfahren gegen den Syrer. Sie wirft ihm mitgliedschaftliche Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung im Ausland vor. Seit dem 23. März 2016 sitzt Shaas Al M. in Untersuchungshaft.

Falsches Geständnis

Der Verteidiger Tarig Elobied sagte nach dem ersten Verhandlungstag, er gehe davon aus, dass sein Mandant nicht Mitglied des IS, sondern einer der Freien Syrischen Armee nahestehenden Organisation gewesen sei. Sein Mandant habe im Ermittlungsverfahren in einigen Punkten ein falsches Geständnis abgelegt. Zudem sei Shaas Al M. nicht eröffnet worden, dass gegen ihn auch wegen möglicher Straftaten in Syrien ermittelt werde. Damit dürften die Angaben dazu im Prozess nicht verwertet werden.

Der Prozess wird fortgesetzt.