Gut 60 Grundschulleiter aus Mitte, Pankow und Reinickendorf sitzen an diesem Montagmorgen in einer großen Runde im Rathaus Tiergarten und wollen endlich einen passenden Lehrer für ihre Schule gewinnen. Ein wenig störend dringt lauter Baulärm aus dem Nachbartrakt durch die geschlossenen Fenster. Vorne ganz rechts am Tisch präsentieren sich die Bewerber für die drei Bezirke. Von den 27 angemeldeten, fertig ausgebildeten Grundschullehrern erscheinen allerdings nur gut zehn, mehrere andere Kandidaten sind immerhin schon vorher mit einer Schule handelseinig geworden. Doch nicht wenige Schulen finden auch an diesem Vormittag nicht den gewünschten Englischlehrer, den Sportlehrer oder gar einen Sonderpädagogen.

Nacheinander werden die Interessenten hineingerufen, sie stellen sich kurz vor und formulieren dabei oft schon bestimmte Ansprüche. So wollen mehrere gerne ausschließlich im Bezirk Pankow arbeiten, Wedding und Reinickendorf sind da nicht so angesagt. Von den versammelten Schulleitern werden sie mit Fragen überhäuft: „Können Sie mit Smartboards umgehen?“, „Können Sie zur Not auch Englisch unterrichten?“, „Können Sie sich vorstellen, auch Klassenlehrerin zu werden?“, „Kann es statt Pankow nicht auch Frohnau sein?“.

Der Pulsschlag des Beamten

Einige Bewerberinnen kommen nicht aus Berlin, sondern aus anderen Bundesländern – aus Nordrhein-Westfalen etwa. Eine junge Frau, die dort studiert hat, kann sich auch vorstellen, an einer Weddinger Grundschule zu unterrichten. Ihr Mann stamme aus Ghana, da würde er sich in einem multikulturellen Bezirk sicher wohlfühlen, sagt sie. Auch dass Berlin nicht mehr verbeamtet, findet sie nicht schlimm. Der ruhige Pulsschlag eines Beamten belebe das Berliner Schulsystem nicht unbedingt, merkt sie kritisch an. Berlin hat auch im kommenden Jahr wegen vieler Pensionierungen einen immensen Einstellungsbedarf, wenn auch nicht mehr so groß wie im zu Ende gehenden Jahr: Immerhin 1700?neue Lehrer werden nun gesucht, 600 davon bereits zum Februar. Besonders schwierig ist es, bis zum zweiten Schulhalbjahr 260?Grundschullehrer zu finden. Denn das Studium für Grundschullehrer ist nicht so attraktiv, weil dort monatlich 500 Euro brutto weniger verdient wird als an Oberschulen. Auch gibt es relativ wenig Aufstiegsmöglichkeiten.

Insgesamt liegen der Personalstelle Bewerbungen von 1450 regulär ausgebildeten Lehrern sowie von 950 Quereinsteigern vor. Gut die Hälfte der Bewerber hat die Ausbildung in anderen Bundesländern gemacht. Vor allem in Nordrhein-Westfalen (180), Bayern (120) oder Baden-Württemberg (70). Dort hatte die Bildungsverwaltung gezielt geworben, weil westdeutsche Bundesländer derzeit kaum noch einstellen.