Berlin - Mit einer Menschenkette rings um den Berliner Reichstag haben am Sonnabend im Regierungsviertel etwa 8.000 Menschen gegen die Macht der Banken demonstriert. Unter dem Motto "Banken in die Schranken" forderten sie die Bundesregierung auf, endlich Konsequenzen aus der Finanzkrise zu ziehen. Allerdings sind sich die Protestgruppen nicht einig: Es kam zu verbalen Auseinandersetzungen zwischen Mitgliedern der Berliner Occupy-Bewegung und Gewerkschaftsmitgliedern.

Hochspekulative Finanzinstrumente sollen verboten werden

"Wir haben mit der Umzingelung des Regierungsviertels eindrucksvoll gezeigt, dass viele Menschen es satt haben, dass sie zum zweiten Mal Banken mit ihrem Steuergeld retten sollen", sagt Yves Venedey vom Netzwerk Campact, das zusammen mit den Globalisierungskritikern von Attac und den Naturfreunden den Protest koordiniert hat. Das Bündnis "Banken in die Schranken" fordert von der Politik, Großbanken zu zerlegen und einer demokratischen Kontrolle zu unterwerfen. Zudem sollen riskante und hochspekulative Finanzinstrumente verboten werden. Unterstützt wurde die Protestaktion im Regierungsviertel von mehr als 20 Organisationen, darunter von der Gewerkschaft Verdi sowie von Parteien.

Demonstriert haben am Sonnabend aber vor allem Menschen, die sich ohnehin politisch engagieren. Sie hatten gelbe, blaue, grüne und rote Luftballons bei sich und trugen Plakate mit Aufschriften wie "Großbanken aufspalten", "Kapitalismus ist uns zu teuer" und "Das Geld liegt auf der Straße. Die Macht auch". "Die Leute, die die Krise aber eigentlich betrifft, sitzen jetzt leider zu Hause vor dem Fernseher", sagte ein Demonstrant.

Heftige Wortgefechte

Noch bevor sich die Menschenkette gegen 14 Uhr formiert hatte, zeigte sich am Reichstag, dass die Demonstranten trotz der gemeinsamen Kritik an den Banken sowie an der Bundesregierung unterschiedliche Ziele verfolgen. Vertreter von Occupy Berlin forderten die Gewerkschafter von Verdi auf, ihre Fahnen herunterzunehmen. "Verdi hat mitgestimmt für die Bankenliberalisierung. Occupy ist die Bewegung", sagte Bruck M. Kimmerle von Occupy Berlin. "Schwachsinn. Ihr seid doch gerade erst aufgetaucht", entgegnete ein Gewerkschafter. Verdi, die Linke, die Grünen seien auch Teil von Occupy. Kimmerle sieht das anders. "Es darf nicht sein, dass organisationsstarke Gewerkschaften Occupy okkupieren", sagte er. Es blieb beim heftigen Wortgefecht.

Die Veranstalter wollen diesen Disput nicht überbewerten: Occupy habe etwas losgetreten, sagte Uwe Hiksch vom Bundesvorstand der Naturfreunde. Die bestehenden Organisationen, die seit langem Position beziehen gegen die entfesselten Finanzmärkte und für eine Vermögensumverteilung, und die neue Occupy-Bewegung würden sich ergänzen und gegenseitig verstärken, so Hiksch. 

Auch in Frankfurt am Main gingen am Sonnabend tausende Kapitalismuskritiker auf die Straße. Wie die Veranstalter mitteilten, haben sich dort 10.000 Teilnehmer an einer Menschenkette beteiligt und das Bankenviertel umzingelt.