Die durch ein aufsehenerregendes Video dokumentierten antisemitischen Beschimpfungen eines 60-Jährigen in Berlin sind nach Angaben des betroffenen Restaurantchefs „nur die Spitze des Eisbergs“. Sein Lokal bekomme monatlich im Durchschnitt zwei Hassmails, sagte Yorai Feinberg am Donnerstag in Berlin.

Das Video mit den Beschimpfungen sorgt in den sozialen Netzwerken für Empörung. Zu sehen und zu hören ist, wie der Mann gegen Juden hetzt und den Betreiber des Restaurants heftig beleidigt. Es fallen Worte wie „Wir wollen euch hier nicht“ und „Gaskammer“. Der Vorfall wurde von einer Freundin des Wirtes gefilmt.

Israelischer Botschafter lobt Feinberg für Reaktion

Der israelische Botschafter Jeremy Issacharoff forderte während eines Besuchs bei Feinberg klare Haltung. „Es ist wichtig, dass man angesichts solcher Vorfälle sofort handelt und null Toleranz zeigt“, sagte Issacharoff. „Eine sofortige Reaktion gegen jede Form von Antisemitismus kann die einzige Antwort sein.“ Der Botschafter lobte Feinberg für seine im Video dokumentierten Reaktionen. Er habe großen Mut an den Tag gelegt, sich gegen diese Anfeindung zu wehren.

Auch Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) verurteilte die antisemitischen Ausfälle des Passanten scharf. „Dieser völlig unfassbare und unentschuldbare Vorfall in Berlin zeigt: Wir alle müssen uns antisemitischer Hetze engagiert und mutig entgegenstellen“, schrieb der SPD-Politiker am Donnerstag auf Twitter. „Den Brandstiftern dürfen wir nie das Feld überlassen. Denn erst kommen die Worte, dann die Taten.“ 

Staatsschutz ermittelt nun wegen Volksverhetzung

Der 60-jährige Tatverdächtige ist bei der Polizei kein Unbekannter. „Aber nicht wegen derartiger Delikte“, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag. Nähere Angaben zu den Straftaten wurden nicht gemacht.

Der polizeiliche Staatsschutz ermittelt gegen den Mann wegen Volksverhetzung, Beleidigung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Er war vorübergehend festgenommen worden, ist aber wieder auf freiem Fuß. Die Ermittler warteten noch auf das Ergebnis einer Bluttests. Es bestehe der Verdacht, dass der 60-Jährige alkoholisiert gewesen sei, hieß es bei der Polizei.

Facebook entschuldigt sich für Löschung des Videos

Der Clip war am Mittwoch bei Facebook hochgeladen worden und hatte viel Aufmerksamkeit bekommen. Zwischenzeitlich war er aber nicht erreichbar gewesen. Am Donnerstag räumte Facebook ein, dass es ein Fehler war, das Video zu entfernen. „Unsere Reporting-Systeme sind dafür entwickelt, Menschen vor Missbrauch, Hassrede und Mobbing zu schützen und wir bedauern, dass gelegentlich Fehler gemacht werden, wenn solche Reports bearbeitet werden“, sagte eine Sprecherin am Donnerstag. „Wir wissen, dass es frustrierend sein kann, wenn solch ein Fehler passiert und entschuldigen uns hiermit dafür.“ Sie verwies darauf, dass jede Woche hunderttausende Meldungen bearbeitet würden. (dpa/BLZ)