Der Spitzenkandidat der AfD für die Oberbürgermeisterwahl in Potsdam und Chef der AfD-Fraktion in der Landeshauptstadt, Dennis Hohloch, gerät wegen einer antisemitischen Karikatur in Bedrängnis, die seine Fraktion am Mittwoch über den Kurznachrichtendienst Twitter verbreitet hatte. Das Bild stellt Anetta Kahane von der Amadeu Antonio Stiftung dar und zeigt die Jüdin mit einer großen Nase und wulstigen Lippen – Stereotypen antisemitischer Hetze. Kahane trägt auf der Abbildung zudem eine Uniform der Sowjetarmee.

Die AfD-Fraktion rechtfertigte die Verbreitung der Karikatur. In einem Tweet teilte sie mit, man sehe in der Darstellung „keine jüdische Mitbürgerin, sondern eine Karikatur von Frau Kahane“. Sprecher Roman Kuffert beteuerte, die AfD sei nicht antisemitisch. Im Gegenteil. „Wir unterstützen die jüdische Gemeinde.“ Hohloch war am Freitag nicht erreichbar. Der Geschichtslehrer soll sich aber von der Karikatur distanziert und angewiesen haben, sie vom Twitter-Account der AfD zu löschen.

Hintergrund: Ausschluss von Social Media-Workshop 

Zuerst veröffentlicht hatte die Karikatur Petr Bystron, der für die AfD im Bundestag sitzt und als Hardliner gilt. Grund war vermutlich ein Vorfall im Dresdner Hygienemuseum: Eine Buchhändlerin aus Dresden, der eine Nähe zu extrem rechten Bewegungen nachgesagt wird, war dort bei einer Veranstaltung der Bundeszentrale für politische Bildung am vorigen Mittwoch ausgeschlossen worden. Sie hatte sich zu der mehrtägigen Tagung angemeldet, die unter dem Motto stand: „Die neue Mitte? Rechte Ideologien und Bewegungen in Europa“. Bei dem Workshop „Echokammern und Filterblasen: Vernetzung über Social Media“ hatte ihr die Referentin der Amadeu Antonio Stiftung den Zutritt verweigert.

„Das war ein Workshop, an dem Menschen, die Opfer von Hassattacken im Internet wurden, über ihre Erfahrungen sprechen wollten“, sagte Anetta Kahane am Freitag der Berliner Zeitung. Dort habe man die Buchhändlerin also aus gutem Grund nicht dabeihaben wollen. „Es ging um den Schutz der Leute, die dort sprechen wollten“, rechtfertigte Kahane den Ausschluss. Anders wäre es laut Kahane gewesen, wenn bei der Veranstaltung über die Frage, ob man mit Rechten reden könne, debattiert worden wäre.

Nicht die erste antisemitische Darstellung

Die Stiftung teilte mit, dass die Buchhändlerin offenbar von einem Mann begleitet worden sei, der über ihren Ausschluss sofort getwittert und dabei „in der rechten Sphäre beliebte Formulierungen“ verwendet habe. Dies lege die Vermutung nahe, dass sich die Frau durchaus der Provokation bewusst gewesen sei.

Zu der Karikatur sagte Anetta Kahane, die auch Kolumnistin der Berliner Zeitung ist, antisemitische Darstellungen von ihr kursierten seit 2016 im Netz. „Auch mit Davidstern auf der Stirn.“ Ihr sei es also nicht fremd, dass sie in ihrer Eigenschaft als Jüdin karikiert werde. Dass das Bild von der AfD verbreitet wurde, wundere sie nicht. „Wenn es jemals Illusionen gab, wes Geistes Kind diese Leute sind, dann hat sich das jetzt erledigt.“