Nach dem antisemitischen Angriff auf einen jungen Israeli und seinen Begleiter in Berlin fahndet die Polizei weiter nach den Tätern. Der für politisch motivierte Delikte zuständige Staatsschutz der Kriminalpolizei ermittelt in alle Richtungen, wie eine Sprecherin am Donnerstag sagte. Die Polizei werde im Lauf des Tages voraussichtlich noch einmal mit dem 21-jährigen Israeli sprechen. Nach dem Stand von Mittwochabend habe man aber keine Zweifel an seiner Darstellung der Tat.

Die beiden jungen Männer hatten am Dienstagabend in Berlin-Prenzlauer Berg auf dem Weg zur U-Bahn Kippas - traditionelle jüdische Kopfbedeckungen - auf dem Kopf getragen. Sie wurden von einer Gruppe arabisch sprechender Männer angegriffen und antisemitisch beschimpft. Einer der Männer schlug mit einem Gürtel auf den 21-Jährigen ein und versuchte, ihn mit einer Flasche zu schlagen.

21-Jähriges Opfer ist kein Jude

Der Angreifer und seine zwei Begleiter flüchteten. Der 21-Jährige filmte die Tat und stellte das Video ins Netz. Irritationen hatte es am Mittwoch gegeben, weil sich herausstellte, dass der 21-Jährige, der seit drei Jahren in Deutschland lebt, kein Jude ist. Zunächst waren alle, auch die Polizei, davon ausgegangen. In Interviews sagte der junge Mann dann, er sei Israeli, aber arabischer Herkunft, kein Jude und auch nicht religiös.

In der Sendung „Stern TV“ sagte er am Mittwochabend: „Ich bin unter Juden aufgewachsen, meine ganzen Freunde in Israel sind Juden, ich habe auch Juden unter meinen Verwandten. Es hat etwas mit mir zu tun und es ist sehr wichtig für mich.“ Die Kippa habe er erst vor ein paar Tagen in Israel geschenkt bekommen. In anderen Interviews hatte er gesagt, er habe dann in Berlin die Erfahrung machen wollen, wie es sei, die Kippa zu tragen. (dpa)