Antisemitisches Mobbing: An der Kennedy-Schule haben sämtliche Warnsysteme versagt

Mitschüler der renommierten John-F.-Kennedy-Schule in Zehlendorf haben über Monate einen jüdischen  Neuntklässler antisemitisch gemobbt und beleidigt. Seit dem letzten Vorfall Anfang Juni ist der Junge krankgeschrieben und hat seither die Schule nicht wieder betreten.  Wie aber konnte es soweit kommen?

An der Schule haben zunächst sämtliche Warnsysteme versagt. Das wurde am Donnerstagmorgen noch einmal deutlich, als die aus einem  Deutschen und einem US-Amerikaner bestehende Schulleitung eher wortkarg eine Pressekonferenz gab, auf der sie sich denkbar unkonkret zu den Vorwürfen einließen. Zwar  sprach der Managing Director Brian L. Salzer auf Englisch viel von „Respect and Tolerance“. Doch der Alltag in dieser 9. Klasse sah anders aus. Da wurde der Neuntklässler mit Zetteln,  auf denen Hakenkreuze aufgemalt waren, tyrannisiert.  Ihm wurde in der Umkleidekabine der Turnhalle Rauch ins Gesicht geblasen – verbunden mit der Aufforderung, er möge sich an seine vergasten Verwandten erinnern. Er ist aber auch homophob beleidigt worden und selbst wegen seines Körpergewichts grob beschimpft worden. Wir sehen: Mobbing hat viele Schattierungen.

Die Schule muss ein klares Zeichen setzen

All dem hätten Mitschüler und auch aufsichtsführende Lehrer frühzeitig entgegentreten müssen. An dieser Schule gibt es auch durchaus Institutionen, die sich mit solchen Fällen befassen. Doch auch dort wurden die Nöte des Jungen und der ebenfalls spät von den Vorgängen informierten Eltern nicht wirklich gesehen. Jedenfalls fasste die Familie kein Vertrauen. So blieb den Eltern und dem Jungen  am Ende nur noch ein Hilferuf an die Diskriminierungsbeauftragte der Bildungsverwaltung. Erst jetzt erstattete die Schulleitung Anzeige gegen die mutmaßlichen Täter und bestellte deren Eltern zum Rapport.

Offensichtlich wird in diesem Fall, dass antisemitisches Mobbing auch in gutbürgerlichen  Kreisen in Zehlendorf stattfindet und keinesfalls nur von  muslimischen Mitschülern ausgeht.  Im konkreten Fall sollen es Deutsche und Amerikaner gewesen sein, auch ein iranischstämmiger Schüler und auch eine jüdische Mitschülerin machte offenbar Stimmung gegen den Jungen.

Nun muss die Schule gegenüber den Tätern ein klares Zeichen setzten. Vor allem  aber ist es dem Opfer zu wünschen, dass er hoffentlich bald doch wieder, auch dank psychologischer Hilfe, Vertrauen fasst und an seine Schule zurückkehrt. Die John-F.-Kennedy sollte alles dafür tun. Nach den Ferien, denn an dieser deutsch-amerikanischen Schule ist schon an diesem Freitag der letzte Schultag.