Berlin - Wie denken die Studentinnen und Studenten der Berliner Beuth Hochschule für Technik über ihren antisemitischen Namenspatron Christian Peter Beuth? Wie stehen die Lehrkräfte und alle anderen Mitarbeiter in der laufenden Antisemitismus-Debatte? Welche Rolle spielen dessen unbestrittene Verdienste als Begründer des deutschen Ingenieurwesens? Im Februar will die Hochschule eine interne Umfrage starten, um ein Meinungsbild zu erheben. Das sagte Präsidentin Monika Gross auf einem kürzlich abgehaltenen Beuth-Symposium.

Hochschulsprecherin Monika Jansen sagte nun, es gehe nicht um ein Ja oder Nein zur Umbenennung, vielmehr wolle die Hochschule erfahren, wie informiert die 14.000 Studenten, Professoren und Mitarbeiter über die Diskussion sind. Während des Symposiums war aufgefallen, dass nur sehr wenige junge Leute im größten Saal der Hochschule saßen, um sich für die Meinungsbildung mit Wissen zu rüsten. 

Studentische Initiative überzeugt: Der Name Beuth muss weg

Vor dem Saal hatte die Studentische Initiative für einen schönen Hochschulnamen/AntiBeuth.de ihr Tischchen aufgebaut. Ein im Comic-Stil gemachter Flyer fand seine Abnehmer – aber von studentischem Interesse keine Spur. Auch der anwesende Vertreter der Initiative beklagte im Gespräch mit der Berliner Zeitung die geringe studentische Beteiligung. Maximal zehn Prozent interessierten sich für die Beuth-Frage.

Schon an den Hochschulwahlen hätten weniger als acht Prozent teilgenommen. Für die Initiative steht fest, dass der Name Beuth weg muss. Ihr Vertreter findet, die „riesige Debatte“ behandle nur Randfragen.

Er meint die Vorträge des Symposiums, die Beuths Zeit beleuchteten: den preußischen Staat und die Judenemanzipation, die Person Peter Christian Beuths selber, und so fort. Das Verfahren sei ja in Ordnung, sagte der junge Mann, aber unproportional zur Kernfrage – dem Antisemitismus.

In der Symposiumsdebatte meldete er sich dann auch als Vertreter der Autonomen Linken Liste, sprach „eindeutig für Umbenennung“, schlug den Namen Berliner Hochschule für Technik vor („Da bleibt das B erhalten“), attackierte den Kopf der Pro-Beuth-Fraktion und ehemaligen Hochschulpräsidenten, Reinhard Thümer, und wurde von der Diskussionsleitung ermahnt, den „Ton zu wahren“.

Steffen Krach lobt offene, kritische Diskussion über den Namensgeber der Beuth Hochschule

Die Ergebnisse der Umfrage im Februar sollen an eine Arbeitsgruppe gehen, die alle bisherigen Ergebnisse ihrer Beuth-Recherchen dem Akademischen Senat vorstellen werde, sagte Sprecherin Jansen. Über eine Umbenennung könne nur die Akademische Versammlung mit ihren 58 Mitgliedern entscheiden. Darin sind sowohl Lehrende, Studierende und Mitarbeiter vertreten.

Steffen Krach, Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung, lobte die offene und transparente Diskussion mit allen Hochschulangehörigen sowie den Einbezug wissenschaftlicher Expertise: „Das hat eine wirkliche, kritische Debatte über den Namensgeber der Beuth Hochschule ermöglicht.“ Krach hält es für eine Pflicht, dass sich eine Hochschule so intensiv mit dem Thema Antisemitismus auseinandersetzt und sich auch zukünftig ihrer Verantwortung bewusst ist. „Die Äußerungen von Beuth waren antisemitisch, darin sind sich die Fachleute einig.“ (mit dpa)