Die Stasi-Gedenkstätte in Hohenschönhausen ist eines der erfolgreichsten Museen in Berlin. Binnen 22 Jahren sind die Besucherzahlen um das 150-Fache gestiegen – von 3000 im Jahr 1994 auf 440.000 im Jahr 2015. Bei der Gedenkstätte freut man sich über die vielen Besucher, die sich für dieses Kapitel der DDR interessieren. „Wir haben jeden Tag 60 bis 70 Besuchergruppen“, sagt der Sprecher der Gedenkstätte, André Kockisch.

Doch genau da liegt das Problem: Denn fast die Hälfte der Gruppen reist mit Bussen an. Und diese Busse setzen die Besucher nicht einfach am Haupttor der Gedenkstätte ab – sie rangieren auf der Kreuzung Gensler-/Freienwalder Straße und warten dann auf die Rückkehr der Gedenkstätten-Besucher. Die Leidtragenden sind die Anrainer, die sich in den umliegenden Gebäuden des früheren Sperrgebiets angesiedelt haben.

Einer von ihnen ist Alon Levin. 2010 hat er das zweigeschossige Eckhaus Gensler-/Freienwalder Straße gekauft, das direkt gegenüber vom Haupteingang der Gedenkstätte liegt. „Das Problem mit den Bussen gab es damals auch schon“, erzählt der Künstler. Allerdings habe die Zahl der Fahrzeuge von Jahr zu Jahr zugenommen. „Jetzt sind es manchmal 80 am Tag.“ Besonders störend sei, dass die Busse mit laufendem Motor warten – im Winter, damit es im Innern warm bleibt, aber auch im Sommer, weil sonst die Klimaanlage nicht funktioniert. 15 Künstler hätten ihre Ateliers im Haus, „aber die Fenster öffnen können wir nicht, weil es wegen der Geräusche und Abgase sehr unangenehm ist.“

2011 wandte sich Levin erstmals an das Bezirksamt Lichtenberg und mahnte Veränderungen an. Es gab mehrere Briefwechsel, sogar ein Treffen mit dem damaligen Bezirksbürgermeister Andreas Geisel. Doch geändert hat sich nichts. „Das ist sehr frustrierend für uns“, sagt der Künstler.

Im Bezirk weiß man um das Problem. „Der bestehende Zustand ist veränderungswürdig“, sagt der Stadtrat für Stadtentwicklung, Wilfried Nünthel (CDU). Grundsätzlich könne das öffentliche Straßenland von jedem genutzt werden – auch von Reisebussen. Hauptproblem sei, dass im Gebiet Stellplätze für Busse fehlen. Deshalb gebe es keine Ausweichstandorte, und die Busse stünden nahe an der Gedenkstätte. Parkverbotsschilder wolle man nicht aufstellen, so der Stadtrat. Man wolle schließlich den Erfolg der Gedenkstätte nicht schmälern. Gleichwohl sei die Situation veränderungswürdig.

Zufällig traf Alon Levin vor etwa einem Jahr den Gedenkstättenleiter Hubertus Knabe und erläuterte ihm nochmals das Problem. Knabe wiederum wandte sich an die Technische Universität, an das Institut für Land- und Seeverkehr. Dort wurde man schließlich aktiv. „Wir haben uns das Problem im Rahmen eines Forschungsseminars vorgenommen“, sagt Oliver Schwedes, Leiter des Fachgebiets Integrierte Verkehrsplanung. 1000 Besucher wurden befragt, woher sie kommen und wie sie anreisen. Zudem wurde analysiert, ob sich das subjektive Empfinden der Anrainer mit tatsächlichen Gegebenheiten vor Ort deckt.

Busparkplätze geplant

Das Fazit der Studenten: Kurzfristig die Situation entschärfen könnte ein Bus-Terminal, das direkt vor der Gedenkstätte eingerichtet wird, eine Haltestelle also. „Dort können die Leute aussteigen, und die Busse fahren dann weiter“, sagt Verkehrsplaner Schwedes. Die Kreuzung direkt vor dem Eingang zur Gedenkstätte könne zudem zu einer Begegnungszone ausgebaut werden, „damit es ruhiger wird und die Aufenthaltsqualität gesteigert wird“. Langfristig sollten im angrenzenden Gewerbegebiet Busparkplätze geschaffen werden.

Das Gutachten der TU liegt nun beim Bezirk Lichtenberg. „Wir werden entscheiden, wie es nun weitergeht“, sagt der Stadtrat für Ordnungsangelegenheiten, Andreas Prüfer (Linke). Vor einer Entscheidung wolle man sich aber mit der Gedenkstätte abstimmen. „Das ist noch nicht entschieden.“