App des Berliner Ordnungsamts: Berliner können ihre Nachbarn ab sofort leichter verpetzen

Berlin - Ab Freitag (1. Juli 2016) können sich Berliner Smartphone-Besitzer die App „Ordnungsamt-Online“ gratis herunterladen. Sie funktioniert wie das Meldeportal der Ordnungsämter, https://ordnungsamt.berlin.de, das im Spätsommer vergangenen Jahres an den Start ging.

Dessen Resonanz ist außerordentlich gut. Nach Angaben eines Sprechers der Senatsinnenverwaltung gingen von Januar bis Ende Mai 36.300 Meldungen ein.

Zunächst gibt man die Adresse des Ortes ein, wo jemand gegen die Ordnung verstößt. Eine E-Mail-Adresse für Rückfragen kann man angeben, muss man aber nicht. So bleibt man anonym. In der Betreffzeile wird per Seitenreiter ausgewählt aus zahlreichen Themen: Man kann zum Beispiel eine defekte Straßenlaterne melden oder einen fehlenden Gullideckel.

„Nacktjoggen auf der Straße“

Aus dem umfangreichen Angebot kann kann man auch den Begriff „Betteln“ wählen und sogar „Nacktjoggen auf der Straße“. Wer will, kann auch Fotos zum Delikt hochladen.

Hat der Nachbar mich nicht zu seiner Grillparty geladen, kann ich „Nachbarschaftslärm im Freien (outdoor)“ anklicken. Zum Thema Hund stehen acht Themen zur Verfügung: wenn Wuffi zum Beispiel nicht angeleint ist, keinen Maulkorb oder keine Steuermarke trägt. Man kann Ladenbesitzer melden, die zu lange öffnen und Nachbarn, die sonntags Rasen mähen.

Was einst der grimmige Opa war, der auf einem Kissen aus dem Fenster lehnte und Falschparker anzeigte, erledigt nun eine App.

Im Großen wie im Kleinen

Erfunden hat so etwas Ähnliches vor zwei Jahren schon ein Berliner Start-Up-Unternehmen. Mit der App "Wegeheld" kann man Falschparker fotografieren und dem Ordnungsamt melden.

Deutschland konnte sich zu allen Zeiten auf die Mitarbeit seiner Informanten stützen. Im Großen wie im Kleinen. Laut Innensenator Frank Henkel (CDU) wird die neue App die Kontaktaufnahme mit der Verwaltung erleichtern. Dies sei „ein wichtiger Aspekt für eine sichere und saubere Stadt“.

Vielleicht war dem Senator beim Formulieren dieser Sätze ja unbehaglich zumute. Denn als 17-Jähriger waren er und seine Eltern nach West-Berlin ausgereist. Sie wollten raus aus der DDR, die von anonymem Denunziantentum lebte.