Berlin - Für die einen ist sie ein nützliches Werkzeug, um undisziplinierte Autofahrer in die Schranken zu weisen. Für die anderen ist sie eine Einladung zur Denunziation. So oder so: Ende März wird die App „Straßensheriff“ an den Start gehen, eine Applikation fürs Smartphone, mit der Nutzer dem zuständigen Ordnungsamt melden können, wenn ein Auto falsch parkt – zum Beispiel auf einem Fahrradweg. Wenn gewünscht, kann dem Amt das Kennzeichen des Sünders mitgeteilt werden. Es ist eine Anzeige von privat, eine so genannte Bürgeranzeige.

Nachdem eine ursprünglich geplante Zusammenarbeit mit dem Bezirksamt Pankow wegen der Gefahr des Anschwärzens scheiterte, soll die App jetzt unabhängig von der Verwaltung auf den Markt kommen. Das sagte Initiator Heinrich Strößenreuther der Berliner Zeitung. „Ich setze auf die Macht der Zahlen. Je mehr Leute sagen, dass es an einer bestimmten Ecke öfter zu Ordnungswidrigkeiten kommt, desto eher werden sich Mitarbeiter des Ordnungsamtes diese Ecke anschauen müssen“, teilte er mit.

Strößenreuther ist klar, dass er mit der App polarisiert. „Wir setzen auf die Diskussionen am Stammtisch. Alle Leute, denen wir von der Idee erzählen, finden sie zumindest interessant. Die Meinungen stehen 50:50“, sagt er. Doch er sei sicher, dass sich die Idee durchsetze und akzeptiert werde – und zwar bundesweit. Man habe Kontakt zu den Ordnungsämtern der 100 größten Städte aufgenommen. „Wir wollen, dass man als Fußgänger oder Radfahrer sicher unterwegs ist. Und wir wollen Zeichen setzen gegen Rücksichtslosigkeit und Egoismus im Verkehr.“

Der 45-Jährige ist „selbstständiger Berater im Verkehrsbereich“, früher hat er Kampagnen für Greenpeace gemacht und als Mitarbeiter eines Bundestagsabgeordneten gearbeitet. Sein Ziel sei es, das Radfahren attraktiver zu machen. Das heißt für ihn: Die Autos müssen zurückgedrängt werden. „Nach vier Jahrzehnten autogerechter Stadtentwicklung muss sich etwas ändern.“

Im Bezirksamt Pankow will sich Stadtrat Torsten Kühne (CDU), zuständig fürs Ordnungsamt, vom Start der App „mal überraschen lassen“. Natürlich, so sagt er, kennen seine zirka 20 Außendienstler jede Ecke im Bezirk. Doch vielleicht ergäben sich neue Prioritäten, wenn sich Bürger über Verstöße an einer Stelle beschwerten, die das Amt bisher nicht im Blick gehabt habe.

Das ändere nichts daran, dass in Berlin eine Bürgeranzeige keinen Erfolg habe, so Kühne. Zu fälschungsanfällig seien diese Angaben. „Hier müssen Ordnungsamt oder Polizei eine Meldung machen.“ Angesprochen auf ein mögliches Denunziantentum, das durch die App befördert werde, winkt er ab. „Das haben wir auch jetzt schon. Da schicken Leute Fotos ins Amt, auf denen zu sehen sein soll, dass der Nachbar sein Auto wieder falsch geparkt hat. Unglaublich.“