Eine der Apps, die vergangenes Wochenende bei der TechCrunch Disrupt, einer Start-Up-Messe der Computer-Kreativen in der Arena am Treptower Spree-Ufer, vorgestellt wurde, sorgte für besondere Freude unter den Clubgängern dieser Welt.

„How to get into Berghain“ lautet der Name der Mobil-Applikation. Wie schafft man es nur ins Berghain? Es wäre der Traum des Easy-Jet-Sets ebenso wie die der lokalen Partygänger: Ein kurzer Blick aufs Telefon und dann nicht mehr Gefahr laufen, unter den Blicken der anderen Wartenden von Berghain-Türsteher Sven Marquardt abgewiesen zu werden, um den weiteren Verlauf der nun folgerichtig drögen Nacht mit hängendem Kopf und waidwunder Seele in irgendeinem x-beliebigen Technoclub der Stadt verbringen zu müssen. Das wär’ schlicht genial!

Und dann die Enttäuschung: Im Test zeigt die App, bei Disrupt präsentiert von einem blonden und wenig berghain-affin wirkenden Hünen, lediglich ein Bild der Schlange vor dem Club in Echtzeit an, sagt dem Besitzer wie das Wetter währenddessen ist, dokumentiert, was die anderen Wartenden tragen und gibt als Resultat daraus Tipps, was man selbst am besten anhaben sollte, um unter den gestrengen Augen des zumeist schwarz gewandeten Türstehers Gnade zu finden. Weiterleitung zu Zalando inklusive. Zudem und laut der Entwickler ganz wichtig: das musikalische Programm des Abends.

Demütig sein und brav bezahlen

Dass die App müder Mist oder maximal Satire ist, hat sich spätestens mit der zuletzt erwähnten Funktion gezeigt. Oder wer erinnert sich daran, schon einmal an einer Clubtür vom Türsteher nach dem musikalischen Programm befragt worden zu sein, um Einlass zu finden? Eben.

Es bleibt, dass der weltberühmte Club mit seiner restriktiven Türpolitik, seiner famosen elektronischen Musik und seiner sexuellen Freizügigkeit nach wie vor ein Sehnsuchts-Ort zu sein scheint, in dessen kathedralenartigem Inneren man für ein paar Stunden mittels quasi-religiöser Tänze der Tyrannei des Bewusstseins entfliehen kann.

Davon können andere Kirchen nun wirklich nur noch träumen. Die hingegen hätten sicherlich ein paar echt brauchbare Tipps für den Eintritt ins samstagabendliche Himmelreich parat: Demütig sein, unauffällig bleiben und brav bezahlen.