Liebe Leserinnen, liebe Leser,
einige von Ihnen haben es vielleicht schon geahnt - bei dieser Nachricht handelt es sich um unseren diesjährigen Aprilscherz. Traditionell veröffentlichen wir am ersten April 
eine humorige Falschmeldung. Diese stieß auf besonders großes Interesse: Am Sonntag war sie der meistgelesene Text. Wer noch mal schmunzeln will - viel Spaß beim Lesen!
Frohe Ostern wünscht
Ihre Redaktion

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Nach dem Barbesuch noch schnell ein Bier vom Späti für den Nachhauseweg – das ist bald Geschichte, zumindest in Prenzlauer Berg. Der Bezirk Pankow hat ein nächtliches Alkoholverkaufsverbot beschlossen.

Ab Juli diesen Jahres dürfen Tankstellen, Supermärkte und Spätkäufe in der Zeit von 22 Uhr bis fünf Uhr früh keinen Alkohol mehr verkaufen – auch nicht am Wochenende. Die entsprechenden Waren werden für diese Zeit in den Kassensystemen der Verkaufsstellen blockiert. Der Bezirk folgt damit einem Vorbild aus Baden-Württemberg, das bereits 2010 den nächtlichen Alkoholverkauf verbot.

Beschwerden über Biergeruch in Partytram

Maximilian Häberle, selbst gebürtiger Heidelberger, ist stolz auf den Beschluss der Bezirkspolitiker. Er ist Vorstandsvorsitzender des Vereins “Kein Rausch in Prenzlberg! e.V.” und setzt sich seit Jahren ein für die Bekämpfung des “Straßensaufens”, wie er es nennt.

“Man muss sich ja nur einmal an der Eberswalder Straße umschauen”, sagt er, “da laufen die Jugendlichen schon ab vier Uhr nachmittags mit dem Bier in der Hand herum. Ganz zu schweigen von der M10”. Die Straßenbahn, welche die Bezirke Prenzlauer Berg und Friedrichshain verbindet, gilt in der Stadt als “Partytram”, immer häufiger beklagen sich Anwohner, vor allem aus Prenzlauer Berg, über stark nach Bier riechende Waggons.

Besonders Spätkäufe sind von dem Verbot betroffen - Hassan Krüger betreibt einen solchen im Helmholtz-Kiez und hat ohnehin schon seit Jahren um Kundschaft zu kämpfen. “Vor allem die Smoothie-Anbieter sind ein Problem. Jedes kleine Café schmeißt mal eben eine Gurke, einen Apfel und ein bisschen Spinat in den Mixer und plötzlich wollen die Leute ein Vermögen für den Mischmasch zahlen und kein Bier mehr trinken”, sagt er.

In Prenzlberg bleiben die Straßen nachts leer

Um dem sinkenden Geschäft entgegenzuwirken, hat Krüger bereits Craftbiere und Superfood-Riegel ins Sortiment aufgenommen, hat das Zigaretten- und Schnaps-Angebot deutlich reduziert und arbeitet stattdessen mit regionalen Weinhändlern zusammen.

“Aber wenn jetzt das Verbot kommt und nicht mal mehr die Leute aus Friedrichshain oder Wedding bei mir ein stinknormales Wegbier kaufen können, werde ich das ganze Geschäft vielleicht nach Neukölln umlagern”, sagt er und zuckt dann mit den Schultern. “ist eigentlich auch egal, hier ist doch nach 22 Uhr sowieso kaum einer mehr auf der Straße”.

Fragt man Anwohner im Helmholtz- oder Kollwitz-Kiez, scheint der Großteil das Verbot zu begrüßen. “Ich muss immer donnerstags an die Eberswalder Straße, um meine Tochter zum Klavierunterricht zu bringen”, sagt Ursula S., die ihren vollen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, “da muss ich schon immer aufpassen, dass die Kleine nicht in Scherben tritt. Und an der U-Bahn-Haltestelle haben wir schon drei Mal Menschen gesehen, die sich übergeben haben, die leere Flasche noch in der Hand.”

Weniger Alk, mehr Heimat

Häberle, der regelmäßig zu Kiezversammlungen einlädt, um auf die Themen seines Vereins aufmerksam zu machen, glaubt, dass auch ein wenig Heimatgefühl mit der Grund für die große Akzeptanz des Verbotes ist. “Man muss das ja nicht kleinreden, es ist eben so, dass die meisten Leute in Prenzlauer Berg mittlerweile Exil-Baden-Württemberger sind”, sagt er, “und diesen Menschen fehlt manchmal etwas aus der Heimat. Ein bisschen mehr Disziplin, Anstand und Rücksichtsnahme – das kennt man in Berlin sonst ja nicht. Und so ein Verbot, nun ja, das verbindet die Menschen hier auch irgendwie.”

Baden-Württemberg hat das Alkoholverkaufsverbot im vergangenen Dezember im Rahmen der Gesetzesänderungen zum Anti-Terror-Paket wieder aufgehoben. Das Verbot habe Millionen von Baden-Württembergern am Biertrinken gehindert, obwohl die meisten gar nicht gefährlich seien, sagte der Baden-Württembergische Innenminister Thomas Strobl damals.

Häberle zuckt nur mit den Schultern, wenn er das hört. “Von harmlosen Biertrinkern haben wir in Berlin leider nicht allzu viele ”, sagt er, “sieht man doch in Friedrichshain. Da gehört das Wegbier – oder schlimmer noch: Der Wegschnaps – ja schon fast zum guten Ton.” Er hofft, dass mit dem geplanten Verbot künftig auch Friedrichshainer oder Kreuzberger den Anreiz verlieren, nachts nach Prenzlauer Berg zu fahren. “Dann bekommt man in der M10 wenigstens wieder einen Sitzplatz.”