Die Berliner Polizei ist am Mittwochmorgen erneut gegen kriminelle arabische Großfamilien vorgegangen. Mit einem Großaufgebot durchsuchten rund 30 Beamte - darunter auch Spezialeinsatzkräfte - zwei Objekte eines mutmaßlichen 28-jährigen Clan-Mitglieds, wie ein Sprecher der Polizei sagte.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zu dem Thema:

Worum geht es bei der Polizei-Razzia gegen ein Mitglied des Araber-Clans?

Nach ersten Informationen wird wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz ermittelt. Bei einem Objekt in der Fuldastraße soll es sich um eine Art Spätkauf handeln. Das zweite Objekt ist nach Polizeiangaben eine Wohnung in der Karl-Marx-Straße. Der Einsatz begann um 6 Uhr morgens, sagte der Polizeisprecher weiter. Die Polizei fand bei dem 28-Jährigen scharfe Munition, illegale Medikamente und Bargeld im mittleren fünfstelligen Bereich, also etwa zwischen 40.000 und 60.000 Euro. Das Mitglied einer bekannten arabischstämmigen Großfamilie in Berlin wurde festgenommen.

Gibt es Zusammenhänge mit Polizeieinsätzen gegen die Araber-Mafia der letzten Wochen?

Tatsächlich kam es zuletzt verstärkt zu polizeilichen Razzien einerseits und teils blutigen Auseinandersetzungen andererseits im arabischen Clan-Milieu. Hintergrund sind kriminelle Machenschaften im Drogen- und Waffenhandel. Auch in der Schutzgelderpressung und der Zuhälterei sind die 13 Berliner Clans nach Erkenntnissen von Polizei und Staatsanwaltschaft aktiv. Dabei wurden Immobilienwerte in Millionenhöhe beschlagnahmt, diverse Waffen sichergestellt und mehrere Haftbefehle vollstreckt.

Sind die jüngsten Fahndungserfolge möglicherweise auf Berlins neue Polizeipräsidentin Barbara Slowik, die das Amt erst seit wenigen Monaten inne hat, zurückzuführen?

Fakt ist, es gibt eine Häufung der Razzien und "Zugriffe", wie diese Einsätze polizeiintern heißen, in den letzten Tagen und Wochen. Fakt ist aber ebenso, dass sich Slowik in den ersten Wochen und Monaten in der Öffentlichkeit zunächst rargemacht hatte. Sie habe sich erst einmal einarbeiten und mit Strukturen und Funktionen der Polizei vertraut machen wollen, hieß es. Die Bekämpfung der Organisierten Kriminalität sei aber in jedem Fall "eine Großaufgabe", sagte Slowik der Berliner Zeitung kürzlich.

Aus Ermittlerkreisen hieß es hingegen, dass für solche Razzien wie die der vergangenen Wochen "monate- oder sogar jahrelange Vorermittlungen" nötig seien. Die jetzigen Ermittlungserfolge seien also eher der Verdienst von Slowiks Vorgänger, dem früheren Polizeipräsidenten Klaus Kandt und dessen damaliger Stellvertreterin und heutiger Generalstaatsanwältin Margarete Koppers.

Der SPD-Innenexperte Tom Schreiber begrüßte die „gezielten Nadelstiche“ gegen kriminelle Clans bereits vergangene Woche. Es sei gut, dass Polizei und Staatsanwaltschaft nun Hand in Hand arbeiteten, hatte Schreiber der Berliner Zeitung gesagt. „Man hat den Eindruck, dass mehr passiert als in den Jahren zuvor. Das zeigt auch, dass es wichtig ist, das Personal in den Ermittlungsabteilungen zu verstärken.“

Sind kriminelle Araber-Clans vor allem ein Berliner Problem?

Unstrittig ist, dass es in Berlin "bitter nötig ist, endlich was gegen die Clans zu unternehmen", heißt es aus Polizeikreisen. Zwar gebe es auch in Nordrhein-Westfalen und Bremen vereinzelt ähnlich mafiöse Strukturen arabischer Clans, die in punkto Größe, Gefährlichkeit und Machteinfluss "allerdings nicht mit der Situation in Berlin zu vergleichen sind".

Wie groß sind die jüngsten Ermittlungserfolge gegen die Araber-Clans tatsächlich?

Das muss sich noch zeigen. Trotz mehrerer Razzien ist unklar, ob die Einsätze letztlich als nachhaltiger Erfolg gewertet werden dürfen. Denn die Clans verfügen über eine wahres Netzwerk hochbezahlter Staranwälte und haben teils ganz offen angekündigt, sich juristisch zu wehren. So auch im Fall der 77 im Juli beschlagnahmten Immobilien, die rechtlich nur vorläufig ist. Das Berliner Landgericht muss erst noch entscheiden, ob die Wohnungen und Häuser dem Clan dauerhaft entzogen werden dürfen - oder nicht.