Der rot-rot-grüne Senat setzt sich dafür ein, dass Arabisch, Türkisch und Kurdisch als Unterrichtsfach an ausgewählten Berliner Schulen angeboten wird. So steht es auch im Koalitionsvertrag. Doch, was das Kurdische angeht, haben die Koalitionspolitiker offenbar die Vielfalt unterschätzt.

„Es gibt keinen fest umrissenen Sprachraum, in dem die kurdische Sprache, ihre Dialekte und Mundarten gesprochen werden – im Grunde zerfällt das Kurdische in zwei Hauptdialekte“, heißt es nun in einer Stellungnahme der Bildungsverwaltung zu einem gemeinsamen Antrag der rot-rot-grünen Fraktionen. Am Donnerstag beschäftigte sich das Abgeordnetenhaus mit diesem Antrag.

AG Kurdisch gegründet

Grünen-Bildungspolitikerin Stefanie Remlinger blieb im Plenum dennoch optimistisch. Man habe mit allerlei kurdischen und türkischen Verbänden gesprochen und jetzt eine AG Kurdisch gegründet, sagte sie. Es hörte sich ein wenig so an, als würde die kurdische Einheitssprache nun in Berlin erfunden.

Mit Türkisch und Arabisch ist es indes nicht ganz so schwierig. An der Aziz-Nesin-Grundschule und der Ossietzky-Gemeinschaftsschule in Kreuzberg gibt es bereits Europaschul-Zweige, in denen auf Türkisch und Deutsch unterrichtet wird. „Gegenwärtig wird der Bedarf an weiteren Sprachen und neuen Europaschul-Zügen an bestehenden Grundschulen, insbesondere in den östlichen Bezirken, abgefragt“, teilte die Bildungsverwaltung. Dabei gehe es auch um neue Unterrichtsfächer Vietnamesisch oder bestimmte osteuropäische Sprachen. Aber auch andere schulische Angebote würden geprüft.

Was das Türkische angeht, gab es allerdings früher bereits an 19 Grundschulen Angebote in deutsch-türkischer Alphabetisierung, jetzt sind es nur noch vier. „Bevor wir neue Angebote machen, sollten wir erst einmal die Ursachen ergründen“, forderte CDU-Bildungspolitikerin Hildegard Bentele.

Doch Fachkräfte gibt es nicht

Davon unbeeindruckt soll auch das Arabisch-Angebot laut Bildungsverwaltung deutlich ausgebaut werden. Seit 2014 gibt es an mehreren Grundschulen das Pilotprojekt „Muttersprache Arabisch“. Wie bei der deutsch-türkischen Alphabetisierung soll dieses Arabisch-Angebot nun rechtlich verankert und ab dem Schuljahr 2017/18 eigenständig finanziert werden. Geplant sei, die Sprachlehrer aus dem Pilotprojekt zu übernehmen, auch wenn diese keine reguläre Arabisch-Lehrer seien. Doch Fachkräfte gibt es nicht. Derzeit bilden Berliner Universitäten keine Lehrer für Türkisch und Arabisch aus. Das soll sich ändern, steht im Antrag der Koalitionsfraktionen. Doch bei den gerade ausgehandelten Hochschulverträgen konnte man sich mit dieser Forderung nicht durchsetzen.

„Wenn jemand zweisprachig in Deutsch und Englisch ist, gilt das als Bildungserfolg“, sagte Remlinger. Wer neben Deutsch aber Türkisch, Arabisch oder Kurdisch spreche, gelte als Integrationshindernis. „Dabei sind Sprachkenntnisse ein Schatz, den es zu heben gilt.“

Für viele Politiker stellen die türkischen Konsularlehrer, die von Ankara für türkischsprachigen Unterricht an deutsche Schulen bestellt werden, ein besonderes Problem dar. Die Gefahr sei groß, dass sie die Schüler im Sinne des türkischen Staatspräsidenten Recep Erdogan indoktrinierten, sagte der FDP-Bildungspolitiker Paul Fresdorf und warnte gar vor „Erdogan-Minnions“. SPD-Fachpolitikerin Maja Lasic erwiderte, es sei unmöglich, Konsularlehrer einfach zu verbieten. Denn viele Staaten würden in Berlin Unterricht durch Konsularkräfte anbieten.