Arabische Clans in Berlin: Brutaler Kampf mitten in Kreuzberg und Neukölln

Auf der Straße wird geschossen, geprügelt und zugestochen: Erneut musste die Polizei in der Nacht zu Montag gegen kriminelle Mitglieder arabischer Großfamilien vorgehen – und das gleich zweimal innerhalb weniger Stunden.

Kurz nach Mitternacht: Zwei Männer, 32 und 42 Jahre alt, verlassen eine Bar am Britzer Damm in Neukölln. Plötzlich gibt jemand aus einem vorbeifahrenden Auto mehrere Schüsse ab. Die beiden Männer sinken blutüberströmt zusammen.

Das Auto rast in Richtung Gradestraße davon. Ein Bekannter der Angeschossenen fährt mit seinem Mercedes hinterher. Die Täter geben aus dem Fluchtwagen mehrere Schüsse auf das Verfolgerauto ab. Projektile durchdringen die Seitenscheiben des Autos des Verfolgers. Am Koppelweg in Mariendorf bricht der Mann am Steuer die Verfolgung ab. Zeugen konnten das Kennzeichen des Fahrzeugs der Schützen erkennen und meldeten es dann der Polizei.

Streit rivalisierender Clans

Die beiden angeschossenen Männer sind laut Polizei inzwischen außer Lebensgefahr. Den Hintergrund dieser Wildwest-Szene versucht nun eine Mordkommission zu erhellen. Die Verletzten gehören zur arabischen Großfamilie Ch. Die Ermittler vermuten eine Auseinandersetzung zwischen rivalisierenden Clans, wie es sie zuletzt wieder häufiger gab.

Unter anderem gehen die Ermittler auch der Frage nach, ob die Schüsse mit dem Angriff auf ein Café in der Groninger Straße im Mai 2017 zusammenhängen. Damals wurden gleich 16 Schüsse aus zwei Fahrzeugen abgegeben.

Im Verdacht steht eine Gruppierung aus Tschetschenen, die die Geschäfte einer arabischen Rockerbande übernommen hat. Die Polizei teilte lediglich mit: „Die Hintergründe sind derzeit noch unklar.“

Angriff mit Axt

Nach Angaben einer Polizeisprecherin wird auch ein Zusammenhang mit einer Massenprügelei geprüft, die sich am Sonntagabend in der Graefestraße in Kreuzberg ereignete. In der Auseinandersetzung wurden Mitglieder der Großfamilie Ch. – die in die organisierte Kriminalität verstrickt sind – zum Ziel des Angriffs.

Nach Informationen der Berliner Zeitung klingelt gegen 19.40 Uhr in dem Haus an der Werner-Düttmann-Siedlung ein Mitglied der arabischen Großfamilie W. bei Familie Clan Ch. Etwa 20 Mitglieder der Familie Ch. gehen in den Hof. Vor dem Haus warten bis zu 50 Mitglieder und Bekannte der Familie W., die mit Messern, Schlagstöcken und Pfefferspray bewaffnet sind. Sie sollen die anderen mit einer Axt und einem Pflasterstein beworfen haben. Außerdem werden sie mit Pfefferspray besprüht und mit Faustschlägen traktiert. Ein Mann der Familie W. zieht eine Schusswaffe und bedroht die Kontrahenten. Bei der anschließenden Schlägerei werden mehrere Personen verletzt. Anschließend flüchtet die Angreifer-Familie. 

SEK stürmt Wohnung eines Clans

Als die ersten vier Funkwagen des Abschnitts 52 mit neun Beamten eintreffen, werden sie von etwa 50 Personen eingekreist. Die Polizisten müssen Pfefferspray einsetzen und fordern Verstärkung an. Etwa 40 weitere Einsatzkräfte sind nötig, um die Lage zu beruhigen.

Drei Verdächtige im Alter von 18, 19 und 44 Jahren werden vorläufig festgenommen. Auf der Suche nach den Angreifern, die ins Nachbarhaus geflüchtet sind, stürmt ein Spezialeinsatzkommando die Wohnung der Familie W. Die Beamten finden zwei Schreckschusspistolen, zwei Messer und ein Reizstoffsprühgerät. Aber von den Angreifern fehlt jede Spur.

Auslöser der Prügelei war laut Polizei eine vorangegangene Attacke auf einen 31-Jährigen einige Stunden zuvor – mutmaßlich verübt von Mitgliedern der Familie Ch.

Gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen arabischen Clans häufen sich auf Berlins Straßen. Zwischen Mitte Juni und Anfang August haben Unbekannte sechsmal im Stadtgebiet auf Geschäfte geschossen, darunter auch auf ein Restaurant von Bushidos Ex-Manager Arafat Abou-C. Gefasst wurde bisher noch keiner.