Berlin ist ein Zentrum der Organisierten Kriminalität (OK). Von den 535 Ermittlungsverfahren der Polizei, die in ganz Deutschland gegen Bandenkriminalität geführt wurden, betrafen 59 Berlin.

Clankriminalität geht vor allem von arabischstämmigen Großfamilien aus

Vor Berlin liegen in der Statistik nur die sehr viel größeren Bundesländer Nordrhein-Westfalen (107 Verfahren) und Bayern (78 Verfahren). Das geht aus dem bundesweiten Lagebild des Bundeskriminalamtes (BKA) zur Organisierten Kriminalität im Jahr 2018 hervor, das Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und BKA-Präsident Holger Münch am Dienstag vorstellten.

Arabische Clans haben inzwischen einen so großen Einfluss in der Organisierten Kriminalität, dass das BKA bei der Erstellung ihres alljährlichen Lagebildes ihnen erstmals ein eigenes Kapitel widmete. So erfasste es 45 OK-Verfahren zu „ethnisch abgeschotteten Subkulturen“ nach Indikatoren wie etwa starke Ausrichtung auf die meist patriarchalische Familienstruktur.

Die Clankriminalität geht vor allem von Mitgliedern arabischstämmiger Großfamilien aus, aber auch von Großfamilien aus dem früheren Jugoslawien und der Türkei.

Ermittlungen gegen Arabische Clans häufig wegen Rauschgift- und Eigentumsdelikten 

Von den 45 Verfahren mit 654 Tatverdächtigen betreffen 27 Verfahren arabische beziehungsweise türkischstämmige Clans, 17 davon allein in Nordrhein-Westfalen. Gegen Mitglieder arabisch- und türkischstämmiger Großfamilien liefen in Berlin fünf große Ermittlungskomplexe. „Wir sehen, welche Rolle die arabischen und türkischen Clans spielen. Sie ist so groß wie die Russisch-Eurasische Kriminalität“, sagte Münch. Zur Russisch-Eurasischen Kriminalität, die von Personen dominiert wird, die in einem der postsowjetischen Staaten geboren wurden, führt das BKA 26 OK-Verfahren.

Ermittlungen gegen arabisch-türkische Clans werden meist wegen Rauschgift- und Eigentumsdelikten geführt. Die Clans, die laut BKA Beziehungen ins europäische Ausland sowie in die Türkei und in den Libanon haben, erwirtschafteten im vergangenen Jahr einen kriminellen Ertrag von 16 Millionen Euro, wovon mehr als zwei Drittel durch den Staat eingezogen wurden. Dazu gehört die Beschlagnahme von Immobilien einer libanesischen Großfamilie im Sommer 2018 durch die Berliner Staatsanwaltschaft. Die Häuser sind rund 9,2 Millionen Euro wert. Um diesen Betrag soll sich der Clan durch Wohnungs-, Geschäfts- und Bankeinbrüche bereichert haben.

Neben Clankriminalität beschäftigen die Ermittler auch Rocker oder die Mafia

Seehofer lobte die gute Zusammenarbeit von Bund und Ländern: „Kriminelle Parallelgesellschaften darf es bei uns nicht geben.“ Der Bundeschef der Gewerkschaft der Polizei, Oliver Malchow, sagte, es sei viel zu viel Zeit ins Land gegangen, in der die Strukturen dieser kriminellen Familienzirkel sich tief verästeln und verfestigen konnten.

Neben Clankriminalität und Russisch-Eurasischer Kriminalität gibt es weitere Themen, die die Ermittler beschäftigen: etwa Rocker oder italienische Mafia. Den Gesamtschaden durch die OK beziffert das BKA für 2018 auf 691 Millionen Euro. Hauptbetätigungsfeld bleiben Rauschgiftschmuggel, Eigentumskriminalität und Wirtschaftskriminalität.