Sie musste putzen, kochen, Kinder hüten, jeden Tag von sechs Uhr früh bis Mitternacht, sieben Tage die Woche. Sie schlief auf dem Fußboden, wurde geschlagen und kaum bezahlt. Dieses Martyrium soll eine Indonesierin im Haushalt eines Attachés der saudi-arabischen Botschaft in Berlin 19 Monate lang durchlitten haben. Sie ging vor Gericht und verlangte 70.000 Euro als Lohn und Schadenersatz. Das war 2010. Erst jetzt landete der Fall vor dem Arbeitsgericht. Dort wurde am Dienstag auf Vorschlag des Richters ein Vergleich geschlossen. Demnach muss der Angeklagte der Frau 35.000 Euro bezahlen.

Es war ein Prozess mit Hürden. Weil Diplomaten Immunität genießen, war die Klage mehrfach abgewiesen worden. Doch voriges Jahr reiste der Attaché aus. Damit sei die Immunität nicht mehr gegeben, entschied das Arbeitsgericht und ließ die Klage zu.

Mittlerweile hat auch die Klägerin das Land verlassen. Sie habe sich mithilfe von Spenden ein neues Leben aufgebaut, hieß es. „Sie will nie mehr kommen. Klar, nach allem, was sie hier durchgemacht hat“, sagte der Arbeitsrechtler Klaus Bertelsmann, der die Klägerseite vertrat.

Klägerin hat Land verlassen

Auf dieser Seite stand freilich mangels Anwesenheit nicht das Opfer, sondern Heide Pfarr, 1989/90 SPD-Senatorin für Bundesangelegenheiten im Momper-Senat. Die Hausangestellte hat ihr den Fall und ihre Forderungen abgetreten. Am Dienstag glänzte auch die ehemalige Politikerin mit Abwesenheit.

So standen sich im Gericht zwei Anwälte gegenüber: Klaus Bertelsmann aus Hamburg und Dietrich von Berg aus Stuttgart. Der Schwabe vertritt nach eigener Auskunft das Königreich Saudi-Arabien seit mehr als zwei Jahrzehnten. Von Berg sagte, sein Mandant sei unschuldig. „Ich war sicher, dass wir gewinnen würden“, sagte der Anwalt.

Schließlich hätte die Klägerin ihre Vorwürfe, die er „starken Tobak“ nannte, nie beweisen können. Warum man sich dennoch auf den Vergleich eingelassen habe? „Das ist kein Schuldeingeständnis. So beendet man eine lange, lästige Geschichte.“ Werde sicher gezahlt? Er gehe davon aus. Dazu muss man wissen, dass es kein Rechtshilfeabkommen mit Saudi-Arabien gibt, Forderungen also nicht eingetrieben werden können.

„Starker Tobak“

Mit zwiespältigen Gefühlen verließ Paula Riedemann den Gerichtssaal. Sie ist Projektkoordinatorin der Beratungsstelle Ban Ying, die die Klage unterstützt hat. Es sei gut, dass es überhaupt zum Prozess gekommen sei. „Aber ich hätte mir eine Entschuldigung gewünscht, schließlich geht es um Sklaverei.“ 10 bis 15 Fälle landeten jährlich bei Ban Ying, dieses sei jedoch der extremste, sagte sie.

Tatsächlich wirft der Fall ein Schlaglicht auf den Umgang mit Personal in Diplomatenhaushalten. Und so interessiert sich auch das Auswärtige Amt, bei dem Diplomaten und deren Hausangestellte (derzeit sind es 240) gemeldet sind, für den Prozess. Die Angestellten müssen jährlich persönlich beim Ministerium vorsprechen.

Im Übrigen seien Diplomaten „unbeschadet ihrer Immunität dazu verpflichtet, Gesetze ihres Gastlandes zu beachten.“ Man gehe Problemfällen konsequent nach, hieß es, fordere die Aufhebung der Immunität, weise im äußersten Fall auch aus. Manchmal aber verlässt ein Diplomat auch einfach sehr plötzlich sein Gastland.