Am Ende gab es dann doch noch eine kleine Überraschung, welche die Entwicklung gewissermaßen perfekt macht. Der Dezember, seit Jahren ein Monat mit zuverlässig steigenden Arbeitslosenzahlen, zeigte im gerade zu Ende gegangenen Jahr, dass es eben auch anders geht. Jedenfalls in Berlin. Denn im letzten Jahresmonat gab es abermals mehr Beschäftigung in der Stadt.  „Zum ersten Mal seit elf Jahren“, so  Bernd Becking, Chef der regionalen Arbeitsagentur, „sinkt die Arbeitslosigkeit in einem Dezember in Berlin.“

Tatsächlich zählte die Behörde im Dezember zwar nur 760 Arbeitslose weniger als im Monat zuvor. Allerdings sind 159.572 registrierte Arbeitslose immerhin gut 13.000 weniger als im Dezember des Jahres 2016. Und das trotz Air-Berlin-Pleite, die in der Stadt rund 2700 Jobs gekostet hatte.

So sind 480 ehemalige Air-Berlin-Mitarbeiter derzeit in Berlin als arbeitslos registriert, bei denen es voraussichtlich aber nicht bleiben wird. Denn laut Verdi wurden für die meisten der etwa 1300 Berliner Beschäftigen des Bereichs Cockpit und Kabine der einst zweitgrößten Airline im Land bis Ende Dezember noch gar keine Kündigungen ausgesprochen. Das wird jetzt erwartet. 

Berlin als Ausnahmestadt

In jedem Fall aber war das Jahr 2017 ein weiteres mit geringerer Arbeitslosigkeit. Im Jahresdurchschnitt waren in Berlin 168 991 Menschen ohne Arbeit. So wenig wie noch nie seit man 1991 begann, die Statistik zu führen. Die Arbeitslosenquote lag für das gesamte vergangene Jahr bei 9,0 Prozent, während sie 2016 noch 9,8 Prozent betrug. Vor zehn Jahren gab es in Berlin rund 100.000 Arbeitslose mehr.

Es läuft also weiterhin gut in der Stadt, und es ist spürbar, dass die Berliner Wirtschaft schneller wächst als die deutsche insgesamt. Denn es werden auch nirgendwo so viele neue Jobs geschaffen wie hier. Berlin, die Ausnahmestadt. 

Im vergangenen Jahr sind zusammen 58.900 Arbeitsplätze geschaffen worden – keine Minijobs, sondern sozialversicherungspflichtige Stellen. Allerdings auch keineswegs nur Vollzeitjobs. Etwa jede dritte Stelle, genau 32,8 Prozent, ist ein Teilzeitjob. Vor fünf Jahren lag der Anteil noch bei 28 Prozent.

Weniger Abbrecher sind das Ziel

In der Wirtschaft ist man dennoch zufrieden. „Berlin beginnt das neue Jahr auf der Überholspur“, sagte Marion Haß, Geschäftsführerin der hiesigen Industrie- und Handelskammer und warnte zugleich von den Auswirkungen des Fachkräftemangels. Die Stadt könne es sich nicht dauerhaft leisten, dass jeder zehnte Schulabgänger die Schule ohne Abschluss verlässt. 

Christian Amsinck, Chef der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg, stimmt ihr zu. Den Fachkräftebedarf zu sichern, gehöre zu den wichtigsten Aufgaben für Unternehmen und Politik. Weniger Schul- und Studienabbrecher, mehr Qualität in der Bildung sowie eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf seien nach den Worten des Unternehmervertreters wichtige Ansatzpunkte, wobei bemerkenswerter die IG Metall für diesen Donnerstag zu Warnstreiks in der Tarifverhandlungen aufgerufen hat, insbesondere letztgenannten Punkt durchzusetzen. 

Erwartetes Wachstum von 2,5 Prozent

Der Regierende Bürgermeister, Michael Müller (SPD), erklärte, „dankbar“ zu sein für die andauernd positive Beschäftigungsentwicklung. „Ja, Vollbeschäftigung ist möglich“, sagte er. Das setze jedoch voraus, dass sich der Senat weiter nachhaltig einsetze und für gute Arbeit kämpfe. Es sei bitter, dass hoch qualifizierte Industriearbeitsplätze bei Siemens und General Electric weiter auf der Kippe stehen. 

Die Berliner Wirtschaft bleibt indes zumindest in diesem Jahr auf Wachstumskurs und wird nach Einschätzung der Volkswirte der Investitionsbank Berlin weiterhin schneller zulegen als die bundesdeutsche Wirtschaft insgesamt. Für  Berlin erwarten die Volkswirte  ein Wirtschaftswachstum von 2,5 Prozent, 2,2 Prozent sollen es in  Deutschland werden.