Dabei wachsen dort schon die Betonwände und waren die Pläne bereits 2009 so festgezurrt, dass jede Veränderung der teilweise absurd dysfunktional verteilten Räume von der Schloss-Stiftung kategorisch abgelehnt wurde. Zudem glaubt doch so ziemlich jeder zu wissen, dass das teuerste deutsche Kulturprojekt mindestens 100 Millionen Euro teurer wird als die kalkulierten 621 Millionen.

Ist der Münchener Architekt Stefan Braunfels, 63, also ein esoterischer Querulant? Seine jüngste Pressemitteilung klingt so. Darin geht es nicht um ein Bauprojekt: Er, der „Stararchitekt“ – ein Un-Wort im Übrigen –, sei in einem Berliner Taxi Computer-Dieben zum Opfer gefallen, 1 000 Euro bietet er für sein abhanden gekommenes iPad. Aber Braunfels ist ein überaus erfolgreicher Architekt – was die Exzentrik nicht ausschließt, aber doch erheblich einschränkt. Wer Betonmassen berechnet, bleibt meist recht realitätsverhaftet. Zumal, wenn er ein großes Büro führt, Preise, Wettbewerbe und neue Auftraggeber gewinnen muss.

Seine Klientel reicht bis China, in Berlin wird gerade die neue Bundestagsbibliothek errichtet, im Anschluss an die ebenfalls von Braunfels geplanten Hauptresidenzen des Bundestags im Paul-Löbe- und dem Marie-Elisabeth-Lüders-Haus. Mit der Münchener Pinakothek der Modernen entstand einer der wichtigsten neueren Museumsbauten. Einer der Großen des Architekturgeschehens also.

Ganz im Gegensatz zum „Schloss“-Architekten Franco Stella. Er hat den Wettbewerb mit einem Drei-Mann-Büro gewonnen, seine Erfahrung mit Großbauten ist gleich null. Deswegen wurde Stella auch verbunden mit zwei anderen Büros, die sehr viel Erfahrung in der Durchführung von Großprojekten haben: von Gerkan, Marg und Partner in Hamburg – Stichworte Flughafen Tegel, BER, Nationalmuseum Peking – und Hilmer, Sattler und Albrecht. Hinter den drei Namen verbirgt sich ein Münchener Büro, dem Berlin etwa die Neue Gemäldegalerie oder den Masterplan für den Potsdamer Platz verdankt. Seine „freundschaftliche“ Konkurrenz mit Braunfels ist ein Klassiker des Architektenklatschs. Handelt es sich beim Braunfels’schen Humboldt-Forum-Plan also um eine innermünchenerische Kabale?

Sein Selbstbewusstsein würde die Berliner Bühne dafür durchaus angemessen finden. Braunfels nämlich hat eine Mission. Den Einzelbau immer als Teil des Ganzen zu sehen, das ist seine Botschaft. Wer sich dieser entgegenstellt, darf mit ungefragten Antworten rechnen. Deswegen stellte er vor einigen Wochen einen neuen Plan fürs Kulturforum vor. Jetzt also das Humboldt-Forum. 3 666 Euro pro Quadratmeter Bruttogeschossfläche kostete seine Pinakothek der Moderne. Das Humboldt-Forum liegt derzeit bei etwa 12.000 Euro. Wir sollten dem wortgewaltig-wütenden Herrn Braunfels also erst mal gut zuhören. Es könnte sich lohnen.