Gerade erst hat er Wohnungen über einem Discounter errichtet, jetzt präsentiert der Berliner Architekt Peter Deluse bei der Suche nach Bauflächen seine nächste Idee: „In Berlin gibt es in besten Lagen noch unerschlossene Flächen für den Wohnungsneubau: Regenrückhaltebecken, wie sie an der Forckenbeckstraße in Wilmersdorf und an der Lilienthalstraße in Kreuzberg zu finden sind“, sagt Deluse. Die Becken sind mehrere tausend Quadratmeter groß und könnten problemlos überbaut werden.

„Für das Regenwasser könnten in den Untergeschossen betonierte Zisternen angelegt werden, über denen Tiefgaragen und Wohnungen entstehen“, sagte Deluse. Statt in die bisherigen Becken würde das Regenwasser künftig in die Zisternen fließen. Errichtet werden sollen die Zisternen aus sogenanntem wasserundurchlässigem Beton, wie er normalerweise für den Bau von Kellergeschossen verwendet wird. Der wasserundurchlässige Beton soll verhindern, dass Wasser aus der Zisterne in die Untergeschosse der Wohnhäuser gelangt.

Größte Fläche in Kreuzberg

„An der Forckenbeckstraße könnten auf einer rund 9000 Quadratmeter großen Zisterne sieben Gebäude mit bis zu sechs Obergeschossen errichtet werden“, sagt Deluse. „Sie würden Platz bieten für 100 Wohnungen.“ Die Wohnhäuser gruppieren sich in einem von Deluse erarbeiteten Entwurf um einen öffentlich zugänglichen, begrünten Hof. Außer den Wohnungen könnten dort Büros und ein Café entstehen.

An der Lilienthalstraße/Ecke Columbiadamm in Kreuzberg befindet sich das größte Regenrückhaltebecken: Es hat eine Größe von 25286 Quadratmetern und wird mit dem Regenwasser gespeist, das vom ehemaligen Flughafen Tempelhof kommt. Auf der Fläche um das riesige Becken befinden sich bislang Kleingärten und Sportplätze.

Gut vorstellbar ist, dass die Wohnungen im ruhigen Bereich an der Lilienthal-/Ecke Zülichauer Straße errichtet werden. Also rund 100 Meter vom Columbiadamm entfernt. „Die Kleingärten, die für den Wohnungsbau weichen müssen, könnten auf die Flächen Richtung Columbiadamm verlagert werden“, sagt Deluse. „Niemandem würde dabei etwas weggenommen.“

Die Kleingärten müssten nur umziehen. Die Wohnungen würden auf einem insgesamt 19410 Quadratmeter großen Grundstück in bis zu achtgeschossigen Gebäuden entstehen. Dort könnten insgesamt 750 Wohnungen gebaut werden. „Wir möchten die Wohnungen an beiden Standorten mit der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Degewo errichten“, sagt Deluse.

Über weiteren Regenwasserbecken könnten noch mehr Wohnungen gebaut werden. Darunter an der Limonenstraße in Steglitz-Zehlendorf. „Dort könnten auf einer 2753 Quadratmeter großen Zisterne 36 Wohnungen in drei Häuser entstehen“, sagt der Architekt. Die Degewo steht den Plänen „grundsätzlich positiv“ gegenüber, sagt Michael Bolt, der bei dem landeseigenen Unternehmen für Transaktionen zuständig ist. „Aufgrund der Bodenknappheit müssen wir jede Möglichkeit zur Realisierung von Wohnungsbau prüfen“, sagt Bolt.

Bei solchen Projekten sei aber in der Regel mit höheren Baukosten zu rechnen. Die höheren Aufwendungen müssten bei einer etwaigen Übertragung der Flächen mit dem Bodenwert verrechnet werden. Welche Flächen-Potenziale es in Berlin gibt, müsse mit den Berliner Wasserbetrieben (BWB) geprüft werden. Jeder einzelne Fall sei dann mit den Bezirken abzustimmen, sagt Michael Bolt.

Warten auf Unterstützung

Bislang sind die Regenrückhaltebecken in der Regel keine Bauareale. Sie seien meistens Verkehrsflächen oder Grundstücke für technische Infrastruktur, sagt Architekt Peter Deluse. Um die Flächen bebauen zu können, müssten erst noch Bebauungspläne erarbeitet werden, also Baurecht geschaffen werden. Das ist offenbar gar nicht so leicht. „Wir arbeiten an manchem dieser Projekte bereits seit mehr als drei Jahren und haben zahlreiche Versuche unternommen, bei den politisch Verantwortlichen Unterstützung für unsere Ideen zu bekommen“, berichtet Peter Deluse.

„Davon kann aber leider gar keine Rede sein. Im Gegenteil: Wir haben eher den Eindruck, dass wir mit unseren Anregungen stören.“
Immerhin: Die Wasserbetriebe zeigen sich offen für eine Überbauung der Regenwasserbecken – sie verweisen aber zugleich auf mögliche Risiken. „Das Bebauen von Regenbecken ist auf den ersten Blick eine tolle Sache“, sagt BWB-Sprecher Stephan Natz. „Es gibt ja auch etliche geschlossene Becken mit Nutzungen obendrauf.“

Das seien aber keine reinen Regenbecken. In die Regenbecken fließe immer Wasser von stark befahrenen Straßen. Wenn es auf der Straße zu einem Unfall komme, könne auch Öl und Benzin dabei sein. Die Becken müssten deswegen bei einer Überbauung aus Sicherheitsgründen „einen explosionsverhindernden Luftraum“ haben, so Natz.

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zeigt sich ebenfalls aufgeschlossen. Wenn die Überbauung der Regenbecken technisch machbar und finanziell in vernünftigem Rahmen zu realisieren sei, könne man darüber reden, sagt Behördensprecherin Petra Rohland.