Berlin - Herr Prinz, was ist falsch gelaufen am Flughafen BER?

Es scheint, dass die Koordinierung der zahlreich beteiligten Firmen nicht optimal verlaufen ist. Entscheidend bei einem solchen Großprojekt ist, bei den Spezialisten und Gewerken die Leistungen rechtzeitig und in der richtigen Reihenfolge abzufordern. Wichtig ist, dass es sich dabei um durchweg zuverlässige Firmen handelt, denen man vertrauen kann.

Haben Sie daran Zweifel?

Ja, bei der Zuverlässigkeit einzelner Firmen wurde wohl zugunsten der Kosten gespart.

Wann ahnten Sie, dass es zum Desaster kommt?

Mit dem Rausschmiss der Planer war uns klar, dass es nicht besser, sondern schlechter wird. Das Planungsbüro Gerkan und Partner hat nicht nur am Flughafen Tegel, seinem Erstlingswerk, sondern weltweit gezeigt, dass es Großprojekte im Kosten- und Zeitrahmen stemmen kann. Das sind sehr erfahrene Leute. Nach meinem Wissen ist bis heute am BER noch kein neuer Architekt eingesetzt worden.

Wie kann es passieren, dass an einem Milliardenprojekt jahrelang gearbeitet wird, und jetzt entdeckt ein neuer Technikchef „fast grauenhafte“ Probleme?

Es fehlte offensichtlich die Aufsicht, dass Leistungen tatsächlich korrekt erbracht wurden. Auch die Zuständigkeiten können nicht gestimmt haben, also wer für was verantwortlich ist. Es war wohl niemand da, der sagte, das kann ich so nicht abnehmen.

Vielfach wurde entgegen der Baugenehmigung gebaut. Wie kann das sein?

Ich glaube, da wurden aus Zeit- und Kostengründen Vorgaben gemacht, die Baugenehmigung so weit wie möglich auszulegen. Wenn die Pläne in Ordnung waren, fehlte es einfach an der Objektüberwachung. Das ist eine entscheidende Aufgabe bei jedem Bau.

Hätte ein anders zusammengesetzter Aufsichtsrat das Schlimmste verhindern können? Also ein Aufsichtsrat, dem auch Experten für Großprojekte angehören?

Das weiß ich nicht. Bei fast allen Großprojekten beeinflussen aber politische Vorgaben die technischen Notwendigkeiten.

Was ist jetzt die Aufgabe der Bauherren, also der drei Gesellschafter Berlin, Brandenburg und Bund?

Die Bauherren müssen in aller Schonungslosigkeit eine Bestandsaufnahme vornehmen. Ich halte es für sinnvoll, sich mit den Planern zusammenzusetzen, die die Pläne erstellt haben. Sie kennen den Bau am besten, und sie gar nicht mehr einzubeziehen, ist ein Fehler.

Die nicht funktionierende Brandschutzanlage wirft kein gutes Licht auf die Unternehmen Bosch und Siemens. Haben auch sie versagt?

Das kann ich nicht beurteilen.

Was muss jetzt auf der Baustelle geschehen?

Ohne eine Bestandsaufnahme und eine klare Planung, wie es weitergeht, kann auf der Baustelle zunächst einmal gar nichts geschehen. Es müssen jetzt alle Mängel, wirklich alle Mängel benannt werden. Dazu muss ein realistischer Zeit- und Kostenplan erstellt werden. Das wird einige Zeit dauern.