Berlin - Eine der liebsten Legenden der deutschen Politik ist die vom Denkmalschutz als Investitionshindernis. Sie ist noch haltbarer als die Horror-Geschichten von selten gewordenen Maus- und Fledermausarten, Vögeln oder Schmetterlingen, die sich Brücken, Straßen, Bahntrassen und Shopping-Centern in den Weg stellten. Aber kann auch nur ein einziges größeres Projekt benannt werden, dass dadurch verhindert wurde? Wir kennen keines.

Dabei kann sich der Naturschutz immerhin auf die Hilfe der europäischen Regeln und der Bundesnaturschutzgesetze stützen. Aber auch er ist letztlich auf das Wohlwollen der Politik angewiesen. Noch viel mehr der Denkmalschutz. Er ist in Deutschland seit Bismarcks Zeiten Landesangelegenheit. Ein Bundesdenkmalschutzgesetz, obwohl seit Jahrzehnten gefordert, fehlt bis heute. Eifersüchtig verteidigen die Länder den Denkmalschutz als Teil ihrer Kulturhoheit – selbst wenn die Ämter, wie in Berlin, als Teil der Bauverwaltung geführt werden. Und so ist jeder alte Baum besser geschützt als ein altes Haus, das direkt daneben steht. Andererseits wird die Werbung für den Denkmalschutz – und damit die Erklärung, was er eigentlich ist und treibt – von den Landesregierungen oft genau so behindert wie die Forschung: Das ICC etwa hätte seit Jahren eingetragen werden können, doch die Berliner Politik verhindert das bis heute.

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