Zeichnungen frecher Blicke und sanfter Berührungen flattern und schwingen wie Wellen über den TV-Bildschirm. Da ist Hedi, eine Hauptdarstellerin der Miniserie „Eldorado KaDeWe“, die küsst eine weibliche Schaufensterpuppe mit Schnurrbart. Ein Mann trägt Lippenstift. Vor- und Abspann der erfolgreichen ARD-Produktion sind kleine bewegte Kunstwerke. Die Neuköllner Künstlerin und Illustratorin Xenia Fink schuf in Zusammenarbeit mit dem Designstudio Filmgraphik diese sinnliche Pracht.

Quoten-Hit „Eldorado KaDeWe“

Schon über fünf Millionen Zuschauer sahen „Eldorado KaDeWe“ in der Mediathek. Die Liebesgeschichte zweier Frauen, das schlingernde Schicksal des berühmten Luxus-Kaufhauses und der beginnende Terror des Nationalsozialismus sind Themen des Quoten-Hits. Vorne 40 Sekunden, hinten 30 Sekunden, eine knappe Zeitspanne, um Eindruck zu vermitteln, was der Film dazwischen ist.

Tabubrüche spielen die Hauptrolle. Grafikdesigner Sven Zuege erklärt mir am Telefon, wie schwierig das ist: „Mit kleinen Details weisen wir subtil auf die Handlung hin, ohne zu viel zu verraten.“

Die Zeit der 1920er-Jahre sollte zeichnerisch im Stil der bekannten Berliner Künstlerin Jeanne Mammen (1890–1976) dargestellt werden, so wünschte es Regisseurin Julia von Heinz. Zu zweit schufen Grafikdesigner Sven Zuege vom Kreuzberger Studio Filmgraphik und Zeichnerin Xenia Fink ihr digitales Werk. 

Vorbild ist die bekannte Künstlerin Jeanne Mammen

Xenia Fink (42) kannte die Welt schon, in der sie sich nun eigenständig ausbreitete. „Ich bewundere Jeanne Mammen schon lange. Ihren frechen, manchmal schroffen, nie gefälligen Stil, mit dem sie das Leben und das Feiern in Nachtclubs, die Liebe zwischen Frauen, genau beobachtete und pointiert darstellte.“

Wie mit dem Bleistift gezeichnet wirken die Konturen, Hintergrund ist die Oberfläche rauen Papiers, dahingeworfene Aquarell- und Tintenklekse, die das Lässige der Darstellungen betonen. Alles ist modern am Computer entstanden. Xenia Fink erstellte handgezeichnete Einzelbildanimationen, 25 Einzelbilder pro Sekunde.

Bewegte, sehr weibliche Bilder

Sven Zuege komponierte sie zu fließenden Titelsequenzen, gestaltete die stilvolle Typografie. Zur Abstimmung gingen immer wieder und auch kritische E-Mails hin und her, Xenia Fink freut sich über das Ergebnis: „Die bewegten sehr weiblichen Bilder sind das Ergebnis einer freundschaftlichen Kollaboration über mehrere Monate.“ Viel Lakritz war dabei hilfreich.