Der gelbe Bagger dröhnt. Am Spreeufer, hinter dem hohen Zaun zwischen Ostbahnhof und Jannowitzbrücke, wühlt sich seine Schaufel in die Erde. Wo einst die Bar 25 war und seit dem vergangenen Sommer der Club Kater Blau einlädt, signalisiert außerdem ein großes Schild: Hier wird gebaut. Auf rund 18.000 Quadratmetern entsteht dort der Holzmarkt – ein Dorf, in dem sich Kreative und Künstler wohlfühlen sollen, aber auch Besucher und Anwohner.

„Als Erstes bauen wir vier größere Gebäude“, sagt ein Holmarkt-Sprecher der Berliner Zeitung. Zu diesen Gebäuden zähle eine Multifunktionshalle für Messen und Events, in der es auch Probenräume für Videokünstler und Artisten sowie Tonstudios für Musiker geben soll. Auch eine Kita entstehe. Ebenso ein Restaurant direkt am Fluss, das bereits den Namen Kater Schmaus erhielt und etwas Besonderes werden soll: „Es wird so in die Erde hineingebaut, dass der Spreeuferweg übers Dach führt“, so der Sprecher.

Ohne Mauern und Zäune

Das Gelände, das früher der BSR gehörte, ist seit zwei Jahren im Besitz der Schweizer Pensionsstiftung Abendrot. Die Stiftung, die das Geld ihrer Versicherten vorrangig in Immobilien anlegt, hatte sich angetan gezeigt von den Holzmarkt-Plänen und vergab das Gelände an die eigens gegründete Holzmarkt-Genossenschaft in Erbbaupacht. Der Holzmarkt am Ufer, südlich der Bahntrasse nahe dem Ostbahnhof, soll etwas anderes sein als die sonst üblichen Bürotürme und Luxuswohnungen von Investoren. Er soll eine Zentrale für Kreative werden. Ohne Mauern und Zäune, wie betont wird – also anders als weiland die Bar 25, in die Besucher erst nach intensiver Prüfung durch Türsteher rein kamen.

Nach den ersten, größeren Gebäuden sollen kleinere Häuser und Hütten für Ateliers, Läden und Werkstätten folgen. Und auf 6000 Quadratmetern wird der „Mörchenpark“ angelegt – eine öffentliche Grünfläche zum gemeinsamen Gärtnern mit Anwohnern und Gästen. Erste Beete wurden schon im vergangenen Jahr angelegt.

Ein weiteres Holzmarkt-Projekt geht jetzt in die konkrete Planungsphase: das Eckwerk nördlich der Bahntrasse, direkt an der Holzmarktstraße. Es ist eine Art Gründerzentrum für junge Firmen und kreative Köpfe, aber auch knapp 500 Wohnungen für Studenten soll es dort geben. Das renommierte Architekturbüro Kleihues+Kleihues und Graft hat dafür fünf Türme entworfen, die bis zu 12 Etagen hoch sind. Sie sollen über Terrassen, Sockel und Pfade miteinander verbunden sein. Auf dem Dach sind eine Fischzucht und Gemüseanbau geplant.

Die Initiatoren stellen sich vor, dass im Eckwerk renommierte Wissenschaftler, Start-ups und Studenten gemeinsam an Menschheitsproblemen wie Umwelt, Ernährung und Energie tüfteln. Der Fortschritt, so sagen sie, müsse mehr Sinn machen als nur den, Geld zu verdienen.

Anwohner sorgen sich um Verkehr

In der Nachbarschaft löst das Projekt Eckwerk, wo einige Tausend Menschen arbeiten werden, nicht nur Vorfreude aus. Vor allem der zusätzliche Verkehr macht Anwohnern Sorge. Die Skepsis soll durch ein spezielles Mobilitätskonzept zerstreut werden: An die Stelle von Privatautos setzen die Holzmarkt-Macher auf öffentliche Verkehrsmittel, auf gemeinschaftlich genutzte Pkw und auf Fahrräder. „Ein Car-Sharing-Auto ersetzt – statistisch gesehen – zehn Privat-Pkw“, heißt es in ihrem Konzept. Auf dem Mittelstreifen der Holzmarktstraße könnten Car-Sharing-Stationen, Stellplätze für Elektroräder sowie Ladestationen aufgebaut werden.

Diese Vorstellung ist allerdings bislang nur eine Vision, wie Baustadtrat Hans Panhoff (Grüne) sagt: „Wir werden darüber aber gern Gespräche mit den Initiatoren und den zuständigen Senatsverwaltungen führen.“