Wer an einem sonnigen Vormittag auf dem Platz vor der O2 World verweilt, der hat vor allem eines – Raum für sich. Es gibt viele leere Bänke, viel Beton und nur sehr wenige Menschen, die den Platz vor der Mehrzweckhalle am Ostbahnhof nutzen. Das soll sich ändern. Am Mittwoch stellte der Betreiber der Arena, die Anschutz Entertainment Group, die Pläne für das Areal vor. Gemeinsam mit dem Kooperationspartner Mercedes-Benz soll ein Bauvorhaben realisiert werden, das aus einer unbelebten Gegend ein lebendiges Stadtquartier macht.

Aus Blau wird Schwarz

Zunächst einmal wird sich der Name der Halle ändern – Konzertbesucher, Alba- und Eisbären-Fans werden ab dem 1. Juli nicht mehr in die O2 World, sondern in die Mercedes-Benz Arena pilgern. Das Blau der Telefonfirma, die die Namensrechte abgegeben hat, weicht dann dem typischen Mercedes-Schwarz.

Ab Frühjahr 2016 sollen dann die Bauarbeiten auf dem Platz vor der Arena beginnen. „Lebendiger“ soll das Quartier an der Mühlenstraße in Friedrichshain werden, „spannend“ und „passend zu Berlin“. So wünschen es sich die Verantwortlichen. Wo sich jetzt noch eine leere, zugige Betonwüste ausbreitet, sollen Menschen flanieren, essen, ausgehen.

Der Betreiber will vor der Arena auf 20 000 Quadratmetern vier Gebäude errichten. In einem wird sich eine weitere Veranstaltungshalle befinden, für Konzerte, Theater, Musicals und Galaveranstaltungen. Mit Platz für 4 000 Besucher wäre die „Music Box“ so etwas wie die kleine Schwester der Arena. Man habe sich den Berliner Markt angesehen und mit Konzertveranstaltern gesprochen, sagte Anschutz-Manager Michael Kötter. In dieser Größenordnung gebe es noch Bedarf für Konzertarenen.

Baubeginn noch in diesem Jahr

In einem zweiten Gebäude gegenüber sind ein Premierenkino mit 14 Sälen und ein Bowling-Center mit 28 Bahnen geplant. Zwei Hotels mit insgesamt fast 400 Betten sollen ebenfalls entstehen, hinzu kommen Büros, Restaurants, Bars und Cafés. Anschutz investiert als Bauherr rund 190 Millionen Euro in das Projekt. Bis 2018 sollen die vier Gebäude und der Platz fertig sein, der ebenfalls einen neuen Namen erhält: Mercedes-Platz.

Das ist sicher gewöhnungsbedürftig, lässt sich aber mit einigem Wohlwollen mit der Maßgabe des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg in Einklang bringen, Frauen bei der Benennung von Plätzen und Straßen den Vorrang zu geben. Schließlich sei Mercedes auch ein Frauenname, sagte Vize-Bürgermeister Peter Beckers (SPD). Da es sich um Privateigentum handele, habe der Bezirk aber keine Einflussmöglichkeit. Beckers zeigte sich dennoch optimistisch, dass die Pläne zur Belebung des Quartiers aufgehen – zumindest am Abend. Ob das Konzept auch am Tage funktioniere, müsse man abwarten, „den Mehrwert tagsüber kann ich noch nicht ganz erkennen“, sagte Beckers.

Zur Belebung setzen die Verantwortlichen auch auf 20 000 Menschen, die auf dem gesamten Areal arbeiten werden, auf rund 4 000 Anwohner, die dort leben, sowie auf Touristen, die East Side Gallery oder Oberbaumbrücke besuchen.

Schon jetzt gibt es auf dem Areal ein Hotel und die Vertriebszentrale von Mercedes-Benz, auch Zalando, das Management der Eisbären und Anschutz haben Büros bezogen. Noch in diesem Jahr soll der Bau eines Einkaufszentrums östlich der Arena beginnen. Vielleicht sind es ja dann auch deren Besucher, die die Betonwüste beleben.