Berlin - Die rot-rot-grüne Berliner Landesregierung darf vielen Obdachlosen in der Stadt nicht so helfen, wie sie es gern tun würde. Viele Osteuropäer beispielsweise aus Bulgarien und Rumänien suchten hier ihr Glück im Rahmen der Arbeitnehmerfreizügigkeit - und scheiterten unter anderem, weil sie keinerlei Ansprüche auf Leistungen hätten, sagte Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke). „Wir können diese Menschen nicht einmal gesundheitlich versorgen, ihnen kein Geld geben und keine Unterkunft“, kritisierte die Linke-Politikerin. Da ziehe die Bundesebene die Daumenschrauben immer enger an.

Zahl der Obdachlosen steigt

Seit Jahren steigt in Berlin die Zahl der Obdachlosen. Je nach Quelle und Definition ist von 3000 bis 10.000 Menschen die Rede, genaue Zählungen gibt es nicht. Die Osteuropäer unter ihnen seien gesetzlich betrachtet Touristen, erläuterte Breitenbach. In Hamburg würden sie nicht einmal mehr in die Kältehilfe gebracht. Das zumindest mache Berlin anders. „Man kann ihnen ein Pflaster anbieten oder eine Kopfschmerztablette, ein warmes Essen oder frische Kleidung, aber keinen Ausweg“, kritisierte Breitenbach.

Insgesamt hat sich das Klientel der Obdachlosen in Berlin nach Ansicht der Sozialsenatorin verändert. „Wir haben zunehmend Familien mit Kindern, Frauen und Obdachlose, die alt werden, mit Krankheiten und Pflegebedarf“, sagte sie. Die rot-rot-grüne Landesregierung will daher ein neues Konzept der Wohnungslosen-Hilfe erarbeiten. Der Schwerpunkt müsse auf Prävention liegen, sagte Breitenbach. „Wir müssen verhindern, dass Menschen ihre Wohnung verlieren.“

Um warme Übernachtungsplätze für die Obdachlosen will sich die Senatorin künftig bereits im Sommer kümmern. „Es passiert mir nicht noch einmal, dass ich vor dem Winter stehe und anfangen muss, Kältehilfe-Plätze zu suchen, weil es nicht ausreichend gibt“, kündigte sie an. „Man lebt dann immer in der Angst, dass Menschen zu Tode kommen.“

Organisation von Schlafplätzen schwierig

In diesem Winter gab es rund 920 Schlafplätze in Berlins Notübernachtungen. Zuletzt war ein Hangar des ehemaligen Flughafens Tempelhof für 100 Obdachlose geöffnet worden. Schlafplätze seien schwierig zu organisieren, sagte Breitenbach.

Zugleich nähmen einige Obdachlose die Angebote der Kältehilfe auch nicht an. „Die einen haben ein so großes Suchtproblem, dass es für sie nicht vorstellbar ist, sieben oder acht Stunden keinen Alkohol zu trinken. Andere halten es in so vollgestopften Schlafsälen nicht aus“, hat die Senatorin selbst beobachtet.