Jeder siebte Berliner gilt als arm. Rund 483.000 Menschen (14,1 Prozent) verfügen nur über ein monatliches Nettoeinkommen unterhalb der Armutsrisikogrenze, die in Berlin bei 841 Euro liegt. Das betrifft fast jeden zweiten Erwerbslosen. Aber insbesondere auch Kinder und Jugendliche, junge Erwachsene, Singles, Alleinerziehende, kinderreiche Familien sowie Migranten sind überdurchschnittlich von Armut betroffen. Das geht aus einer Senatsvorlage zur Bekämpfung von Kinderarmut hervor, die die rot-schwarze Koalition am Dienstag beschlossen hat.

Zwar sinkt die Quote seit 2012, doch für Entwarnung gibt es keinen Grund. Betroffene müssten „aus dem Kreislauf von niedrigen Einkommen, verpassten Bildungschancen und sozialer Ausgrenzung“ herausgeholt werden, sagte Sozialsenator Mario Czaja (CDU), dessen Verwaltung das Strategiekonzept zur Bekämpfung von Kinderarmut federführend entwickelt hat.

Bildungsdefizit führt zu Armut

Laut Bericht führen immer wieder dieselben Gründe zu einem Leben in Armut. „Dazu gehören Bildungsdefizite, die bereits im Kleinkindalter beginnen, in der Schule gegebenenfalls nicht kompensiert werden können und auch in der beruflichen Ausbildung nicht zu einem qualifizierten Abschluss führen“, heißt es in dem 166 Seiten umfassenden Senatsbeschluss.

„Wir setzen mit der Strategie bewusst bei den Kindern an, denn wir wollen ihnen Chancen auf ein besseres Leben eröffnen, das dann unabhängig von dauerhaften staatlichen Transferleistungen sein muss“, sagte Czaja.

Armutsbekämpfung soll künftig ressortübergreifend erfolgen, in einer zentralen Geschäftsstelle sollen Maßnahmen und Projekte aufeinander abgestimmt werden. Sie sollen regelmäßig überprüft werden. Insgesamt acht Handlungsfelder wurden festgelegt: Bildung für alle jungen Menschen, gute und existenzsichernde Arbeit, gesundheitliche Chancengleichheit, Teilhabe von Menschen mit Behinderungen, soziale Integration, kulturelle Teilhabe, Partizipation von Menschen mit Migrationshintergrund – und Generation 65plus. Zwar liegt das Armutsrisiko bei Rentnern mit 6,7 Prozent noch unter dem Durchschnitt, doch der Senat geht davon aus, dass Altersarmut zunehmen wird.

Bessere Bildung, mehr Gesundheitsvorsorge

Er setzt vor allem auf Prävention. Kinder sollen bereits in der Kita an Bildung herangeführt, in Schulen individuell betreut und besser auf den Beruf vorbereitet werden. Zudem will der Senat die Bedingungen schaffen, dass mehr Jobs auf dem ersten Arbeitsmarkt entstehen. Für arme Menschen, die einem höheren Krankheitsrisiko ausgesetzt sind, soll mehr in der Gesundheitsprävention getan werden. Menschen mit Behinderung sollen leichter Jobs bekommen.

In Wohnquartieren soll eine soziale Mischung erhalten bleiben. Stadtteilzentren sollen kulturelle Teilhabe ermöglichen und Integrationslotsen dazu beitragen, dass Flüchtlinge sich schneller zurechtfinden. Die Bekämpfung von Altersarmut ist im wesentlichen darauf ausgerichtet, „die Armutsrisikoquote der nachwachsenden Generation möglichst niedrig zu halten“, heißt es. Die Kinder von heute sollen im Alter nicht verarmen.