Potsdam - Ein führendes Mitglied der Brandenburger AfD ist zum Islam konvertiert. Das bestätigte gestern Parteisprecher Daniel Friese der Berliner Zeitung. 

Zuvor hatte der Tagesspiegel darüber berichtet, aber auch, dass Arthur Wagner darüber nicht reden will. Nun bestätigte die Partei, die sich sehr islamkritisch gibt, es offiziell. „Herr Wagner war eine Zeit lang Mitglied unseres Landesvorstandes“, sagte Friese, „ist aber vor einiger Zeit aus privaten Gründen zurückgetreten.“

Dass der Russlanddeutsche zum Islam konvertierte, sei für die Partei kein Problem. „Religion ist Privatsache. Wir stehen zur Religionsfreiheit des Grundgesetzes“, sagte Friese. „Herr Wagner hätte auch eine andere Religion wählen können.“ 

In der Flüchtlingsarbeit aktiv

Wagner, der in Falkensee lebt, ist derzeit stellvertretender Chef des Kreisverbandes Havelland. Dort sorgte der Russlanddeutsche bereits für reichlich Wirbel, weil er als damalige Christ, für den Gemeindekirchenrat Seegefeld kandidierte.

Das hielt einige für nicht angebracht und beriefen sich auf die Grundordnung und im Ältestenwahlgesetz der Landeskirche. Dort heißt es: „Älteste können nur Gemeindeglieder sein, die sich zu Wort und Sakrament halten und ihr Leben am Evangelium Jesu Christi ausrichten; damit nicht vereinbar, ist die Mitgliedschaft in oder die tätige Unterstützung von Gruppierungen, Organisationen oder Parteien, die menschenfeindliche Ziele verfolgen.“

Heftige Kritik an Kandidatur

Deshalb gab es Kritik an seiner Kandidatur. Doch von der Landeskirche hieß es damals und heißt es auch heute: Die Sache werde erst dann zum Problem, wenn sich jemand wiederholt menschenfeindlich äußere und daran trotz Belehrung durch Pfarrerin oder Pfarrer ausdrücklich festhalte.

Wagner ist 48 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder. Er studierte Wirtschaftsinformatik an der Fachhochschule Hannover. In seinem aktuellen Wohnort Falkensee, wo er seit 13 Jahren lebt, wird er als durchaus schillernde Figur beschrieben, mit starker Persönlichkeit und klarer Meinung. Er habe aus seiner Lebenserfahrung als Russlanddeutscher „recht autoritäre Strukturen“ im Kopf und lehne ganz klar die Idee von Mutikulti ab, heißt es. Gleichzeitig arbeitet er beim Arbeiter Samariter Bund (ASB) auch mit Flüchtlingen und Behinderten.

Dolmetscher für Flüchtlinge

Wagner kandidierte zwei Mal, 2013 und 2016, für den Gemeindekirchenrat als Gemeindeältester, wurde aber beide Male nur als Ersatzältester gewählt und trat nach der zweiten Wahl zurück. „Es gab einfach zu viel Gegenwind“, sagt Pfarrerin Gisela Dittmer. „Er hat sich bei uns überhaupt nicht politisch geäußert“, sagt sie. „Er sagte immer: Ich sitze hier als Christ.“

Die Pfarrerin sagt auch: „Ich habe seine Kandidatur unterstützt, weil er immer eigene Wege geht." Dass er Kontakt zum Islam gefunden hat, liege daran, dass er sich trotz AfD-Mitgliedschaft seit 2015 in der Flüchtlingsarbeit engagiere. So habe er auch dem Kirchenasyl von zwei Flüchtlingen zugestimmt.

Noch nicht aus Kirche ausgetreten

In seiner Flüchtlingsarbeit habe er sich vor allem um Tschetschenen gekümmert, weil er Russisch könne und für sie als Dolmetscher fungierte. So kam er auch mit dem Islam in Berührung. „Aber er ist noch nicht aus der Kirche ausgetreten“, sagt die Pfarrerin.

Im Brandenburger Vorstand der AfD ist Wagner einer von sechs Beisitzern. Im Kreisverband Havelland ist der Russlanddeutsche stellvertretender Vorsitzender. Die Partei kommt immer wieder wegen islamfeindlicher Äußerungen in die Schlagzeilen. Protestiert wird gegen die „Islamisierung Deutschlands“. In Brandenburg hat die AfD nach eigenen Angaben etwa 1300 Mitglieder.