Berlin - Nach und nach werden immer mehr Wohnungen in Berlin bekannt, in denen Asbest verbaut wurde. Wie die Senatsverwaltung für Finanzen jetzt auf eine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Andreas Otto mitteilte, findet sich Asbest noch in rund 3200 Apartments der landeseigenen Immobiliengesellschaft Berlinovo. Das krebserregende Material wurde dort in Fußbodenbelägen und teilweise im Kleber des Bodenbelags verwendet. Die betroffenen Apartments liegen alle im Westteil der Stadt, unter anderem in Neukölln, Siemensstadt und Steglitz.

Gefahr bei beschädigten Platten

Die landeseigene Berlinovo verwaltet die Immobilien aus den Fonds der ehemaligen Bankgesellschaft. Dazu gehören rund 20.000 Wohnungen und Apartments. Ursprünglich waren laut Berlinovo rund 4000 Apartments mit Asbest belastet. 800 Apartments seien aber bereits saniert worden, wie Unternehmenssprecher Stefan Siebner sagte. Eine Gefährdung der Apartment-Bewohner ist nach Angaben der Berlinovo „ausgeschlossen“.

Alle Mieter der Apartmenthäuser seien per Anschreiben informiert und gebeten worden, eventuelle Beschädigungen an dem asbesthaltigen Bodenbelag zu melden. Von unbeschädigten Bodenplatten gehe kein akutes Gesundheitsrisiko aus. Die Apartments mit beschädigten Platten wurden laut Berlinovo-Sprecher Siebner als erste saniert. Die betroffenen Mieter habe man umgesetzt. Geplant sei die Sanierung aller asbesthaltigen Fußböden, unabhängig von deren Beschädigung.

Nicht nur in Apartments, sondern auch in einigen Wohnhäusern der Berlinovo findet sich Asbest. Betroffen sind bis zu 559 Wohnungen in Kaulsdorf Nord. Der Asbest wurde dort in der Loggia-Außenwand in Form von Faserzementplatten verbaut. Die Außenwände sind laut Berlinovo in den 90er-Jahren unter anderem mit einer Wärmedämmung versehen worden. Dadurch werde der Asbest von der Umgebung abgeschottet. Eine Gesundheitsbeeinträchtigung sei nicht zu befürchten, eine Sanierung der Wohnungen nicht notwendig.

Der Grünen-Abgeordnete Andreas Otto verlangt mehr Transparenz im Umgang mit asbestbelasteten Wohnungen: „Wir fordern ein öffentlich einsehbares Register der Asbestwohnungen“, sagt er. Dadurch würde eine stärkere Motivation entstehen, die Wohnungen zu sanieren. SPD und CDU hätten sich in ihrer Regierung „darauf konzentriert, die Asbestgefahr herunterzuspielen“.

Wie berichtet, gibt es in Berlin laut einer Antwort des Senats allein bei den landeseigenen Wohnungsunternehmen rund 50.000 Wohnungen, die unter Asbestverdacht stehen. In welchem Ausmaß Wohnungen privater Eigentümer betroffen sind, ist nicht bekannt.