Die Grünen haben den Senat für den bisherigen Umgang mit Asbest-Wohnungen kritisiert und eine umfassende Information der Bürger gefordert. „Weder sind alle Bewohner der betroffenen Häuser umfassend informiert worden noch gibt es eine konzertierte Sanierung der mindestens 50 000 Wohnungen, die Asbestmaterialien aufweisen“, kritisierte der Grünen-Abgeordnete Andreas Otto am Montag.

Die Berliner Zeitung hatte zuvor berichtet, dass es immer noch Mieter gibt, die nicht wissen, dass sie in einer Wohnung mit asbesthaltigen Bauteilen leben. Zugleich war bekannt geworden, dass bei der Modernisierung des Märkischen Viertels der Asbest auch nach der Sanierung teilweise in den Wohnungen verbleibt. „Der Senat hat keine Strategie zur Beseitigung von giftigem Asbest aus Berliner Wohnhäusern“, kritisierte der Grünen-Politiker Otto. „Die Wohnungsbaugesellschaften sanieren oft nur teilweise, was die Kosten der Asbestbeseitigung in die Zukunft verschiebt.“

Forderung nach Bestandsaufnahme und Sanierung

„Wir fordern eine Bestandsaufnahme der Wohngebäude mit Asbestverdacht und einen Sanierungsfahrplan“, erklärte der Grünen-Abgeordnete Otto. „Als Sofortmaßnahme schlagen wir eine Kennzeichnung der betroffenen Gebäude vor“. Die baupolitische Sprecherin der Linksfraktion, Katrin Lompscher, forderte am Montag eine Beseitigung des Asbests, wenn er in Wohnungen gefunden werde.

Ein Nachspiel dürfte auch der Verkauf von Asbest-Wohnungen an ahnungslose Erwerber haben. Dass mindestens in einem Fall eine Wohnung in der Schlangenbader Straße in Wilmersdorf von der landeseigenen Degewo verkauft wurde, ohne der Erwerberin etwas über die asbesthaltigen Bauteile mitzuteilen, wollen die Grünen in der kommenden Sitzung des parlamentarischen Bauausschusses thematisieren. „Wenn landeseigene Wohnungsbaugesellschaften derart verantwortungslos vorgehen, dann hat auch die Aufsicht durch den Senat völlig versagt“, erklärte Otto.

Kein Hinweis auf Asbest im Kaufvertrag

Eine Rentnerin hatte die Wohnung in der Schlangenbader Straße im Jahr 2000 erworben, als bereits schon sieben Jahre lang die Verwendung von Asbest verboten war. Ein Hinweis auf den gefährlichen Baustoff findet sich in dem Kaufvertrag aber nicht. Die von der Degewo eingeschalteten Anwälte hatten zunächst bestritten, dass sich Asbest in der Wohnung befindet.

Im Spätsommer dieses Jahres kam eine Art später Aufklärung. Da teilte die Gewobe, eine Tochter der Degewo, den Eigentümern an der Schlangenbader Straße mit, dass in den verkauften Wohnungen „zum Beispiel Wand- und Bodenfliesen (sogenannte Vinyl-Asbest-Platten) zu den asbesthaltigen Bauteilen“ gehören. Beim Gemeinschaftseigentum könnten Abwasserrohre im Keller, Dachbeläge oder die Fassade betroffen sein.

Keine Kenntnis über die Anzahl der nicht-informierten Käufer

Degewo-Sprecher Lutz Ackermann verwies darauf, dass Asbest selbst „kein Mangel“ sei. Erkennbare Mängel würden vor einem Verkauf beseitigt. Wie viele Wohnungen verkauft wurden, ohne die Erwerber über den Asbest zu informieren, wollten alle sechs landeseigenen Wohnungsunternehmen sowie die GSW und die Deutsche Wohnen nicht mitteilen. Die Unternehmen delegierten die Beantwortung an den Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU), der auf die Frage nur lapidar feststellte: „Der BBU hat keine Kenntnis über die Verkaufsabwicklung von Wohnungen durch Mitgliedsunternehmen und deren inhaltliche Ausgestaltung.“

Auf die Frage, wie viele Wohnungen verkauft wurden, ohne die Erwerber über asbesthaltige Bauteile zu informieren, antwortete die Stadtentwicklungsbehörde, dass sie darüber „keine Kenntnis“ habe. Sie verwies an den BBU und die Wohnungsbaugesellschaften.